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In, auf und aus Gestein gebaut - Brandenburger Tor



Im Zentrum der deutschen Hauptstadt befindet sich die vermutlich bekannteste Sehenswürdigkeit Berlins – das Brandenburger Tor.

Das Brandenburger Tor

Standort des Brandenburger Tores ist der Berliner Bezirk Mitte; begrenzt wird das Tor auf der östlichen Vorderseite vom Pariser Platz, während rückseitig der Platz des 18. März gelegen ist. Das Bauwerk befindet sich in direkter Umgebung zum Hotel Adlon, dem Berliner Tiergarten und dem Reichstagsgebäude.


Bild 1: Brandenburger Tor (Quelle: Dennis Tafel / pixelio.de)


Das aus Naturstein bestehende Bauwerk ist 26 m hoch, 65,5 m breit und elf Meter tief. Das Brandenburger Tor wird von mehreren Säulen gestützt, die insgesamt fünf Durchgänge bilden, wobei der mittlere Durchgang den breitesten bildet. Auf dem Brandenburger Tor befindet sich eine Plastik, welche die Siegesgöttin Viktoria zeigt, gezogen von einem Gespann aus vier Pferden – den Blick nach Osten zum Alexanderplatz ausgerichtet. Der Grund, weshalb die Quadriga samt Viktoria Richtung Osten zeigt, ist historisch verankert. Nachdem Napoleon Bonaparte in Preußen einfiel, ließ er die Skulptur entfernen und nach Frankreich bringen. Jahre später kehrte die Quadriga nach Berlin zurück und um dem Sieg über Napoleon etwas Symbolisches zu verleihen, wurden Quadriga und Viktoria in Blickrichtung zum Wohn- und Regierungssitz des amtierenden Deutschen Kaisers und König von Preußen Wilhelm II. (1859 bis 1941) aufgestellt.

Der Name Brandenburger Tor ist eng verwurzelt mit der Geschichte des Tores und den Beziehungen von Berlin und dem Brandenburger Umland. Im frühen 18. Jahrhundert befand sich am heutigen Standort des Brandenburger Tores eine Zollstelle, die Reisende aus und nach Berlin passieren mussten. Bezugnehmend auf die 70 km westlich von Berlin gelegene Stadt Brandenburg an der Havel, die vom Brandenburger Tor ausgehend zu erreichen war, erfolgte die Namensgebung Brandenburger Tor.

Das Gestein vom Brandenburger Tor

Das Baumaterial vom Brandenburger Tor ist Sandstein.

Ursprünglich wurde das Brandenburger Tor aus Sandstein aus dem Elbsandsteingebirge in Sachsen errichtet.

Infolge der Zerstörung der Bausubstanz durch Bombardierungen im 2. Weltkrieg und den natürlichen Vorgang der Verwitterung, wurde der Elbsandstein teilweise ersetzt. Untersuchungen am Sandstein des Brandenburger Tores belegen 14 verschiedene Sandsteine unterschiedlicher Herkunft, die verbaut wurden. Abhängig vom Ort der Gewinnung des Sandsteins unterscheiden sich diese hinsichtlich Farbe, Porenvolumen, Korngröße der Gemengteile und den Gemengteilen, d.h., den das Gestein aufbauenden Mineralen, selber.

Auch wenn die Grundfarbe vom Brandenburger Tor gelblich-beige ist, wird bei genauerer Betrachtung deutlich, dass ebenso rötliche, graue oder hellgelbe Sandsteine vorhanden sind. Der Grund dafür ist die individuelle mineralische Zusammensetzung der Sandsteine in den verschiedenen Abbauregionen, die sich in der Farbe von Sandstein niederschlägt. Der Hauptgemengteil von Sandstein - das Mineral, das im Gestein mengenmäßig dominiert - ist Quarz. Als Nebengemengteile können mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent Glimmerminerale, Glaukonit, Calcit, Pyrit und weitere Erzminerale enthalten sein, die mengenmäßig variieren und somit unterschiedliche Färbungen des Gesteins hervorbringen.

Sandstein ist der Entstehung nach ein Sedimentgestein – das demnach aus der Verwitterung anderer Gesteine und späterer Verfestigung durch kieselige Bindemittel zu Gestein hervorgeht.
Der hauptsächlich im Brandenburger Tor verbaute Sandstein stammt aus dem Elbsandsteingebirge. Ausgangsprodukte des hiesigen Sandsteins sind Granodiorite und Granite der Lausitz. Im Ergebnis entstand im Laufe von Jahrmillionen aus verwittertem Lockermaterial gelblicher Sandstein, der von feiner bis mittlerer Korngröße ist. Bekannte Sandsteinsorten aus dem Elbsandsteingebirge sind neben dem Cottaer auch der Postaer Sandstein. Beide Sorten unterscheiden sich voneinander durch das Porenvolumen. Während Cottaer Sandstein durch die enthaltenen Tonminerale und Minerale der Glimmergruppe nahezu porenlos ist, ist Postaer Sandstein großporig.

Weiterhin wurde im Brandenburger Tor Schlesischer Sandstein verbaut. Angelehnt an den Ort der Gewinnung wird der Sandstein aus Polen auch Friedersdorfer (Lezyce), Warthauer (Warta Boleslawiecka), Rackwitzer (Rakowice) oder Deutmannsdorfer Sandstein genannt. Im Vergleich zum Elbsandstein geht der schlesische Sandstein vorwiegend aus metamorphen Gesteinen wie Quarzit, Glimmerschiefer oder Gneisen hervor.
Das Kennzeichen des schlesischen Sandsteins ist die feine bis mittlere Korngröße und deutlich erkennbare hellere Einschlüsse von Feldspäten oder Kaolin.

Die Geschichte vom Brandenburger Tor

Bereits Jahre vor dem Bau des Brandenburger Tores befand sich an gleicher Stelle seit 1734 eine Zolleinrichtung. Neben den Zollhäusern standen bis zum Abriss im Jahr 1788 zwei Türme, die die Durchfahrt nach Brandenburg markierten. Mit dem Abriss verbunden waren Planungen für einen Neubau nach dem Vorbild der Akropolis in Athen/Griechenland. Der Auftraggeber für die Errichtung eines neuen Tores war der preußische König Friedrich Wilhelm II (1744 bis 1797), der den deutschen Architekten Carl Gotthard Langhans (1732 bis 1808) mit der Planung beauftragte.

Die Arbeiten zum Neubau wurden 1789 aufgenommen, die Einweihung erfolgte zwei Jahre später. Ebenfalls zu dieser Zeit wurde die auf dem Tor thronende Skulptur errichtet, die damals die Friedensgöttin Eirene zeigte. Erbauer der Quadriga samt der lenkenden Eirene war der deutsche Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764 bis 1850).


Bild 2: Quadriga mit Viktoria (Quelle: Tim Reinhart / pixelio.de )


Mit der Übernahme Berlins durch Napoleon Bonaparte (1769 bis 1821) infolge der verlorenen Schlachten bei Jena und Auerstedt im Jahr 1806 wurde die Skulptur von den Franzosen beschlagnahmt und nach Paris überführt. Nach dem Sieg über Napoleon 1814 kehrte die Quadriga zum ursprünglichen Schauplatz zurück.
Bedingt durch den Transport hatte die Figur Schäden erlitten, was zum Anlass genommen wurde, sowohl Quadriga wie auch Eirene umfassend zu restaurieren. Um dem Sieg auch symbolisch Ausdruck zu verleihen und die Rückkehr zu ehren, wurde die Friedensgöttin Eirene vom Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841) in die Siegesgöttin Viktoria umgewandelt.

Dennoch stand das Brandenburger Tor nicht in Gänze der Bevölkerung zur Verfügung. Bis 1918 war es nur der Kaiserfamilie und deren Gästen vorbehalten, den mittleren Durchgang zu benutzen.

Zu Zeiten des Nationalsozialismus sollte das Brandenburger Tor ein Meilenstein in der geplanten Ost-West-Achse werden. Geplant war eine 50 km lange Strecke, die sich von Wustermark (westlich von Berlin) über Straßen in Charlottenburg hin zum Großen Stern und Brandenburger Tor bis zu Unter den Linden erstreckte, endend in der Frankfurter Allee (heute Berlin-Friedrichshain und Lichtenberg). Vollendet wurde die Route nie. Da das Brandenburger Tor während des 2. Weltkrieges mehrfach beschädigt wurde, erfolgten in den Jahren bis 1987 zahlreiche Ausbesserungsarbeiten. Dennoch war das Tor nicht zu begehen, weil das Brandenburger Tor bis zur Wiedereröffnung der innerdeutschen Grenze Teil selbiger war, insofern hinter dem Brandenburger Tor die Berliner Mauer verlief, die seit dem Bau im August 1961 einschließlich des Berliner Wahrzeichens als Sperrgebiet galt. Anders als beim Brandenburger Tor ist das Material, aus dem die Berliner Mauer errichtet wurde, nicht natürlich entstanden. Stattdessen besteht die Berliner Mauer aus Beton, einer Mischung aus Sand, Kies und Zement als Bindemittel. Seit dem 22. Dezember 1989 ist das Brandenburger Tor nunmehr der Öffentlichkeit wieder voll zugänglich.

Heutzutage ist das Brandenburger Tor eine beliebte Sehenswürdigkeit von Berlin, die Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung steht. Außerdem werden um das Brandenburger Tor des Öfteren Bühnen aufgebaut, um Veranstaltungen wie bspw. zu Fußballspielen oder Silvester abzuhalten.


Siehe auch:
Rakotzbrücke Kromlau
Nürnberger Felsengänge – Bierkeller im Sandstein
Burg Ramstein im Kylltal bei Kordel – Sandsteinburg in der Pfalz



Quellen:
www.berlin.de
www.berlinstory-shop.de
www.stadtentwicklung.berlin.de
www.sandstein-aus-schlesien.de
www.jekosch.de - Untersuchung der Gesteine am Brandenburger Tor
www.gelber-sandstein.de
www.graniteland.de - Übersicht der Farben verschiedener, regionaler Sandsteine

Letzte Aktualisierung: 1. Juli 2019




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