Logo steine-und-minerale.de

Imprägnieren von Edelsteinen und Mineralien



Beim Kauf von Echtsteinschmuck bekommt man häufig den Ratschlag zu hören, dass man mit Steinen besetzte Ketten, Ringe oder Ohrringe beim Duschen, Putzen oder Händewaschen ablegen soll. Ein Tipp, der weniger darauf abzielt, dass sich die Steine aus der Fassung lösen könnten; vielmehr geht es um den Stein, der beschädigt werden könnte. Denn nicht jeder Edelstein ist naturbelassen. Verschiedene Methoden ermöglichen es, die Farbe zu ändern, den Glanz zu intensivieren oder die Haltbarkeit zu unterstützen – wie das Versiegeln mit Wachs, Harz oder Paraffin.



Der ideale Edelstein

Was zeichnet einen perfekten Edelstein aus? Lupenreine Transparenz, brillanter Glanz und eine kräftige Farbe sind die Schlagwörter, die in diesem Zusammenhang fallen. Allerdings erfüllt nicht jeder Edelstein bzw. jedes Mineral diese Erwartungen.

Um auch nicht marktfähige Steine verkaufen zu können, wird dahingehend etwas nachgeholfen. Heutzutage ist nur noch ein Bruchteil aller Steine, die zu Schmuck verarbeitet werden, unbehandelt. Diverse, teilweise schon seit Jahrzehnten praktizierte, technische Verfahren erlauben es, die Farbe im Nachhinein zu ändern oder zu korrigieren, die Reinheit zu verbessern, den Glanz zu optimieren und die Haltbarkeit zu steigern.
Eine vergleichsweise simple Methode ist die Oberflächenbehandlung namens Imprägnieren, die durch das Aufbringen von Wachs, Harz/Kunstharz oder Paraffin erfolgt.


howlith Foto
Bild 1; Mit Wachs türkis eingefärbter Howlith


Empfindliche Mineralien

Die Herstellung von Schmuck mit Mineralien bedarf viel Kenntnis und Erfahrung. Jedes Mineral ist einzigartig und in der Verarbeitung nicht untereinander vergleichbar. Einige Mineralien neigen zum Splittern oder Zerkratzen oder sind von geringer Härte – Faktoren, die beim Tragen von Schmuck nicht unerheblich sind, möchte man doch lange Freude daran haben.

Ein Begriff, der oftmals im Zusammenhang mit Mineralien fällt, ist die Edelsteinhärte. Demnach erhalten lediglich Steine mit einer Mohshärte über 7 das Prädikat Edelsteinhärte. Alle übrigen Mineralien mit einer geringeren Mohshärte werden als Schmuckstein, früher Halbedelstein, bezeichnet. Der Ausdruck Mohshärte stammt aus der Mineralogie und geht auf den Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) zurück, der die Härte von Mineralien in zehn verschiedene Härtegrade unterschied. Mineralien mit einer Mohshärte 10 wie Diamanten sind die härtesten Mineralien der Welt, während Talk mit einer Mohshärte 1 sehr leicht mit dem Fingernagel zerkratzt werden kann.

Für die Schmuckbranche ist die Mohshärte eine bedeutende Größe, denn je härter ein Mineral ist, desto beständiger und robuster ist es. Weiche Mineralien können leicht zerschrammen oder zerbrechen.
Weiche Mineralien neigen zum Splittern oder Zerkratzen. Hinzu kommt, dass einige Mineralien durch das Sonnenlicht verblassen oder aber von einem Farbton sind, der nicht dem Ideal entspricht.


Wachsen, Paraffinieren und Harzen

Weiche Steine oder solche, die porös sind, aber auch Mineralien, deren Farbton nicht lehrbuchmäßig ist, können durch Imprägnieren aus Wachs, Paraffin, Kunst- oder Naturharz aufgewertet werden.
Die Beschichtung wird nur oberflächlich aufgebracht, das Ergebnis ist dennoch frappierend. Die Oberfläche wird geglättet, kleinere Risse und Fissuren oder Löcher werden unsichtbar aufgefüllt und ausgeglichen, der Stein gewinnt an Glanz und die Beständigkeit weicherer, empfindlicher Mineralien wird erhöht.

Neben der farblose Variante kommt auch gefärbtes Wachs, Paraffin oder Harz zum Einsatz, wenn es zum Beispiel darum geht, die Farbe blasser Mineralien zu kräftigen oder eine gänzliche Umfärbung vorzunehmen. Eine Praxis, die oft bei Türkis zur Anwendung kommt, insofern weißer Howlith oder Magnesit mit türkisfarbenem Wachs, Paraffin oder Harz überzogen werden, und so den Eindruck eines echten Türkis erwecken.


Vor- und Nachteile der Imprägnierung

Für den Käufer ist eine Oberflächenbehandlung mittels Wachs, Paraffin oder Harz nicht leicht zu erkennen, da die CIBJO (Internationale Vereinigung Schmuck, Silberwaren, Diamanten, Perlen und Steine, Confédération International de la Bijouterie, Joaillerie, Orfèvrerie des Diamantes, Perles et Pierres) vorschreibt, dass – wenn die Versiegelung durchsichtig bzw. farblos ist – eine mündliche Offenlegungspflicht ausreichend ist. Anders verhält es sich bei eingefärbten Substanzen, bei denen eine offensichtliche Farbveränderung stattfindet.

Der Zugewinn an Glanz und Härte ist das Hauptargument, weshalb unter anderem Malachit, Azurit, Azurit-Malachit, Calcit, Labradorit, Charoit, Amethyst, Peridot/Olivin, Apatit, Chrysoberyll, Chrysokoll, die Turmalin-Varietäten Rubellit, Verdellit, Paraiba-Turmalin, Indigolith und Wassermelonenturmalin, aber auch die Beryll-Mineralien Aquamarin und Smaragd mit einer Schicht aus Wachs, Harz/Resin oder Paraffin versiegelt werden.

Mit den Jahren kann die schützende Imprägnierung jedoch verschwinden. Zum einen ist Wärme (Körperwärme genau wie Sonnenlicht) ein Einflussfaktor, der den Schutzfilm zerstört, ebenso wie die Oberflächenbeschichtung mit den Jahren porös wird. Das größte Risiko geht jedoch von Wasser plus den Tensiden in Reinigungsmitteln, Shampoo, Seife, Spülmittel oder Duschgel aus, die die Imprägnierung förmlich abwaschen.


Auch interessant:
Brennen von Mineralien - Farbveränderung unter Hitzezufuhr
Zirkonia - Kunstkristall und Edelsteinimitation
A, AAA und die Qualität von Farbedelsteinen


Quellen:
www.gia.edu: Robert Weldon: An Introduction to Gem Treatments
Austin, G. T. (1993): Annual Report Gemstones, U.S. Department of the Interior Bureau of Mines
www.cibjo.com - The World Jewellery Confederation (2018): The Gemstone Book

Letzte Aktualisierung: 17. Dezember 2020




Unsere Empfehlung

Edel- und Schmucksteine von W. Schumann

Buch Edelsteine und Schmucksteine

Mehr Details


angeboten bei Amazon

Mineralien Quiz

Kennen Sie sich aus in Mineralogie und Geologie? Dann testen Sie Ihr Wissen in unserem Mineralien-Quiz!

Zum Quiz

Mineralien-Steckbriefe