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Odontolith - Knochentürkis



Imitationen, Synthesen und Manipulationen von Mineralien sind keine Erfindung von gestern, Die Nachfrage nach seltenen Mineralien oder der kostengünstige Erwerb besonderer Edelsteine machte die Menschen bereits in der Vergangenheit erfinderisch. Ein Beispiel dafür ist das grünblaue Mineral Türkis, das im 16. Jahrhundert in einigen Fällen nicht immer ein kristallwasserhaltiges Kupferphosphat war, sondern auch aus Knochen bestand: Knochentürkis bzw. Odontolith.



Odontolith

Was wie eine Zahnpasta oder eine Zahnkrankheit klingt, ist der Name eines Materials, das schon vor Jahrhunderten als Ersatz für das Mineral Türkis hergehalten hat.

Der Name Odontolith setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern odontos und lithos zusammen. Wortwörtlich wird Odontolith mit Zahnstein übersetzt.

Alternativ sind für Odontolith auch die Begriffe Knochentürkis und Französischer Türkis gebräuchlich. Französischer Türkis, weil ein großer Teil aller Odontolithe in Frankreich entdeckt wurde bzw. das Départment Gers das Zentrum (Simorre, Baillabatz und Laymonts) der Odontolith-Produktion darstellte , und Knochentürkis, weil prähistorische Knochen der Rohstoff für die Türkis-Imitation darstellen.


Schmuck mit Odontolith

Die Wahrscheinlichkeit, dass man heutzutage noch Schmuck mit Odontolith kaufen kann, ist sehr gering. Mineralien wie Howlith und Magnesit, die türkisblau eingefärbt werden, haben sich als preiswerte und einfach herzustellende Imitation von echtem Türkis etabliert.

Odontolith findet sich vielmehr als schmückender Stein in historischem Schmuck oder in Reliquien. Zu glänzenden Perlen oder auf Hochglanz polierten Cabochons fällt Odontolith als Fälschung nicht auf. Vor allem aufgrund der hell- bis grünblauen Farbe liegt die Verwechslung mit natürlichem Türkis nahe. Die Unterschiede werden sowohl unter dem Mikroskop als auch bei der Bestimmung der Dichte deutlich. Unter 30-facher Vergrößerung präsentieren sich zahlreiche Poren auf der Ondotolith-Oberfläche. Zudem ist die Dichte von Odontolith mit 3,127 g/cm³ im Vergleich höher als die Dichte von Türkis mit 2,6 bis 2,9 g/cm³.


Die Entstehung von Odontolith

Viele Jahre wurde davon ausgegangen, dass es sich bei Odontolith um Knochenmaterial handelt, das von Türkis und Vivianit überprägt wurde. Eingehende Untersuchungen von Odontolith belegen aber auch einen anthropogenen Einfluss.

Der Literatur zufolge existieren zwei Arten der Odontolith-Entstehung: Natürlicher und gebrannter Odontolith.

Bislang wurden nur wenige natürliche Odontolith-Vorkommen weltweit entdeckt, darunter beispielsweise Fundorte im Thurgau/Schweiz, Lysá nad Labem, Böhmen/Tschechien, Striegau, Schlesien/Polen, Miass/Russland, Bolivien und in Utah/USA. Die von Erdschichten bedeckten erhaltenen Knochenreste und Zähne mit türkisblauer Färbung stammten sowohl vom Mammut als auch Deinotherium, einem Verwandten des Elefants. Guy de la Brosse (1586 bis 1641), ein französischer Arzt und Botaniker, nennt Einhörner ebenfalls als Quelle des Materials Odontolith.

Zugegebenermaßen erinnern die Stoßzähne eines Mammuts durchaus an das Horn eines Einhorns. Allerdings besteht Uneinigkeit über die Ursache der Entstehung der Farbe. Kupfer, Eisen und Mangan werden als färbende Elemente, die im Laufe von Jarhmillionen aus dem Boden in die Knochen- bzw. Zahnsubstanz diffundierten, diskutiert.

Anders verhält es sich mit speziellem Probenmaterial aus Frankreich. Im Rahmen der Analyse einer Odontolith-Brosche aus dem 19. Jahrhundert identifizierten unter anderem Krzemnicki et al. Mangan als Farbgeber. Das in der Wissenschaft als Verblauen von Zähnen bekannte Phänomen ist auf die Oxidation von zweitwertigem Mangan zurückzuführen. Mangan ist in Spuren in Fluorapatit, dem Baustein knöcherner Substanz, vorhanden. Damit das Material die gewünschte türkisfarbene Tönung annimmt, ist die Oxidation auf Mn5+ notwenig, was durch das sogenannte Brennen erreicht wird. Die im Départment Gers in Türkisgruben abgebauten Knochen bzw. Zähne werden auf eine Temperatur von 600 °C erhitzt, es kommt zur Oxidation von Mn2+ zu Mn5+ und zur Änderung der Farbe. Ein Verfahren mit vergleichsweise geringem Aufwand, das in Frankreich schon im 17. und 18. Jahrhundert praktiziert wurde und die üppige Verwendung von Odontolith-Türkis in französischem Schmuck begründet.


Auch interessant:
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Quellen:
www.mindat.org - Odontolite
Krzemnicki, M., Herzog, F. and Zhou, W. (2011): A Historic Jewelry Set containing fossilized Dentine (Odontolite) and Glass. In: Gems & Gemology, Winter 2011
⇒ Annales of Philosophy; or, Magazine of Chemistry, Mineralogy, Mechanics, Natural History, Agriculture and the Arts. By T. Thomson, Vol. XIV; July to December 1819
⇒ Hamburgisches Magazin, oder gesammelte Schriften, zum Unterricht oder Vergnügen, aus der Naturforschung und den angenehmen Wissenschaften überhaupt. Des ersten Bandes erstes Stück, 1748
⇒ Scherer, A. N. (1819): Allgemeine nordische Annalen der Chemie für die Freunde der Naturkunde und Arzneiwissenschaft, insbesondere der Pharmacie, Arzneimittelkunde, Physiologie, Physik, Mineralogie und Technologie im russischen Reiche. 2. Band, St. Petersburg
⇒ John, J. F. (1810): Chemische Untersuchungen mineralischer, vegetabilischer und animalischer Substanzen. Fortsetzung des chemischen Laboratoriums
⇒ Janssens, K, van Grieken, R. (2004): Wilson & Wilson´s Comprehensive Analytical Chemistry, Volume XLII, Non-destructive Micro Analysis of Cultural Heritage Materials. University of Antwerp

Letzte Aktualisierung: 21. März 2020




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