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Bernstein und Phosphor – zum Verwechseln ähnlich



Seit Jahren sorgen besondere Strandfunde immer wieder für Schlagzeilen: Bernsteine, die sich plötzlich selbst entzünden und Verbrennungen verursachen. Tatsächlich handelt es sich bei den brennenden Materialien aber nicht um das fossile Harz, sondern um Phosphor.

Inhaltsverzeichnis


Phosphor, der für Bernstein gehalten wird

Wenn an den Stränden der Ostsee Bernsteinsammler unterwegs sind, ist es möglich, dass sich neben dem einen und anderen Bernstein auch Phosphor unter den Funden befindet.

Von Zeit zu Zeit gibt es in den Nachrichten Meldungen, dass vermeintliche Bernsteine plötzlich anfangen zu brennen und beim Sammler zu schweren Brandverletzungen führen.

Im Nachhinein betrachtet ist es nicht Bernstein, der brennt. Damit Bernstein brennt, sind weit höhere Temperaturen notwendig als die Umgebungstemperatur oder die Temperaturen, die infolge der Körperwärme in Hosen- oder Jackentaschen herrschen. Zum Vergleich: bei 150 °C fängt Bernstein an, weich zu werden und schmilzt bei etwa 200 °C. Verbrennungen mit Bernstein durch bloßes Halten in den Händen ohne eine zusätzliche Flamme sind ausgeschlossen.
Wenn ein irrtümlicher Bernstein jedoch brennt, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um weißen Phosphor.

Der Name weißer Phosphor ist irreführend, denn alter, verwitterter Phosphor ist von gelblich-brauner Farbe. Durch den Aufenthalt im Wasser wird Phosphor förmlich geschliffen, an den Kanten abgerundet und setzt bräunliche Ränder an – vergleichbar mit den Verwitterungskrusten, die für Bernsteine typisch sind.

Die Gefahr von weißem Phosphor offenbart sich erst, wenn der „Stein“ aus dem Wasser genommen wird und trocknet. Dabei ist es egal, ob die Trocknung an der Luft oder in körpernahen Taschen von Jacken oder Hosen stattfindet. Sobald das dem weißem Phosphor anhaftende Wasser verdunstet ist, entzündet sich das Material durch den Kontakt mit Sauerstoff bei Temperaturen von 20 bis 40 °C selbst. Die entstehende Flamme kann Temperaturen bis zu 1300 °C erreichen.


Phosphor in der Ostsee

Die Nachrichten bezüglich Phosphorfunden in der Ostsee sind nicht neu. Bereits zu DDR-Zeiten wusste man um die Gefahr von Phosphor in der Ostsee.

Seit dem Ende des 2. Weltkrieges gab es immer wieder Meldungen, dass sich Bernsteinsammler ernsthafte Verbrennungen zuzogen.

Die Ursache des weißen Phosphors in der Ostsee ist historisch begründet. In der Nacht vom 17. auf den 18. August 1943 war Peenemünde auf der Insel Usedom Ziel von Angriffen mit Phosphorbomben. Im Zuge der auch unter dem Namen „Operation Hydra“ bekannten Bombardierung fielen die Bomben nicht nur an Land, sondern landeten ebenso im Wasser.
Die im Wasser befindlichen Phosphorbomben korrodierten mit den Jahren im Salzwasser der Ostsee und gaben allmählich den Inhalt frei.
Genau wie Bernstein ist Phosphor von geringer Dichte, weshalb der Phosphor mit der Strömung an Land gespült werden konnte. Verfangen im Schlick oder in Algen lagerte sich der Phosphor ab, zusammen mit Bernsteinen, Hühnergöttern, Feuersteinen und Donnerkeilen.
Aufgrund der vermehrten Berichte über Phosphor an den Ostseestränden wurden Hinweistafeln aufgestellt, die auf die Phosphor-Problematik aufmerksam machen. Allerdings ist zu beachten, dass nicht nur die Strände der Ostsee mit dem Schwerpunkt Usedom und Rügen betroffen sind, sondern auch an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein vereinzelt über Phosphorfunde berichtet wurde.


Bernstein und Phosphor unterscheiden

Um zu prüfen, ob es sich bei einem Strandfund um einen echten Bernstein und nicht um Phosphor handelt, kann man leider nicht auf die gängigen Tests zurückgreifen.

Phosphor weist eine ebenso geringe Dichte auf wie Bernstein, der im Salzwasser schwimmt. Mit einer Dichte von 1,82 g/cm3 ist Phosphor nur geringfügig schwerer als Bernstein mit 1,05 bis 1,10 g/cm3. 

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Farbe von Bernstein und Phosphor. Bernstein und Phosphor können von gelber oder hellbrauner Farbe sein.

Auch der Glanz ist kein Merkmal, das die Unterscheidung von Bernstein und Phosphor erleichtert. Der wachsartige Glanz auf der Bernsteinoberfläche ist ebenso beim Phosphor vorhanden.

Genauso wenig ist die Weichheit kein Kriterium, um den Unterschied zwischen Phosphor und Bernstein auszumachen. Phosphor ist so weich wie Bernstein, so dass sich beide Materialien mühelos mit einer Münze oder Messerklinge zerkratzen lassen.

Um die Echtheit von Bernsteinen zu bestimmen gibt es einen weiteren simplen Trick. Bernstein lädt sich elektrisch auf, wenn er an Kleidung gerieben wird. Der aufgeladenen Bernstein zieht in diesem Zustand Staub und Haare an. Dieser Test fällt bei Phosphor aufgrund des Selbstentzündens im trockenen Zustand weg, da der Bernstein dafür trocken sein muss.


Vorsichtsmaßnahmen beim Bernsteinsammeln

Selbst langjährigen Bernsteinsammlern kann es passieren, dass sie Phosphor mit Bernstein verwechseln. Sowohl optisch als auch hinsichtlich anderer Eigenschaften sind sich das fossile Baumharz sowie der giftige Phosphor auf den ersten Blick sehr ähnlich.

Deshalb wird dazu geraten, Bernsteine nach dem Sammeln in einem verschließbaren Glas oder in einer Metallbüchse zu transportieren und anschließend auf einem nicht brennbaren Untergrund trocknen zu lassen. Vorsorglich sollte Sand, bspw. Vogelsand, parat stehen, um einen eventuell aufkommenden Brand löschen zu können. Brennender Phosphor darf niemals mit Wasser gelöscht werden. Nach dem Löschen mit Wasser entzündet sich Phosphor erneut und durch den Splasheffekt verteilt sich die Flamme großräumig.

Sollte sich der Bernstein als Phosphor herausstellen und Dämpfe oder ein Feuer entstehen, ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen. Phosphor ist heimtückisch, die Folgen einer Phosphorvergiftung zeigen sich mitunter erst Tage später.


Siehe auch:
"Steine am Ostseestrand" von Rolf Reinicke
Die Bernsteinstraße
Bernsteinschmuck
In, auf und aus Gestein gebaut - Das Bernsteinzimmer


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Letzte Aktualisierung: 28. November 2018

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