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Kolophonium und Bernstein



Von Zeit zu Zeit erscheinen in den Medien Berichte von Bernsteinfunden, deren Größe einer Sensation gleicht. Auch wenn auf den ersten Blick die Vermutung naheliegt, dass es sich bei den teilweise mehrere 100 g schweren Brocken um Bernstein handelt, ist es wahrscheinlich ein anderes Material: Kolophonium.

Kolophonium

Die Verwandtschaft und Ähnlichkeit mit Bernstein ist bei Kolophonium nicht weit hergeholt. Kolophonium ist ein Produkt, das aus demselben Material wie Bernstein besteht: Harz. Die Unterschiede zwischen Bernstein und Kolophonium beziehen sich im Wesentlichen auf die Entstehung bzw. Herstellung und das Alter (siehe weiter unten im Text).
Genau wie Bernstein ist Kolophonium der Menschheit schon lange bekannt. Historische Funde von Kolophonium belegen, dass das Material bereits seit der Antike Verwendung fand und nach dem Hauptumschlagplatz – Kolophon in der heutigen Türkei – benannt wurde.


Herstellung von Kolophonium

Kolophonium wird über den Weg der Wasserd

ampfdestillation hergestellt, indem die Baumharze verschiedener Nadelbäume (Lärche, Kiefer, Tanne oder Pinie) erhitzt werden. Dabei wird das Harz in flüchtiges Terpentinöl und in den nichtflüchtigen Rückstand Kolophonium aufgetrennt. In der Vergangenheit wurde zum Teil auch auf Bernstein, das Millionen Jahre alte fossile Harze von Kiefern, zurückgegriffen.
Das Harz, d.h. die Grundlage von Kolophonium, ist wesentlich jüngeren Alters als Bernstein und wird gewonnen, indem von Nadelbäume Teilstücke der Rinde entfernt werden. An der offenen Stelle tritt Harz aus, das in einem Behältnis aufgefangen wird.
Am Ende der Herstellung von Kolophonium erhält man einen Feststoff, der als Pulver, Brocken oder Flocken zur Weiterverarbeitung oder zum Verkauf angeboten wird.
Im Vergleich dazu ist Bernstein ein Feststoff natürlichen Ursprungs (siehe: Entstehung von Bernstein).


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Verwendung von Kolophonium

Kolophonium wird für eine Reihe von Zwecken eingesetzt.
So ist Kolophonium zum Beispiel Bestandteil von Lacken, findet aber auch Verwendung in der Graphik beim Tiefdruckverfahren. Ebenso wird Kolophonium als Räucherware angeboten und wegen der klebrigen Eigenschaft beim Waxing/Wachsen zwecks Haarentfernung eingesetzt.
Denselben Effekt macht man sich mitunter im Sport zunutze, indem mit Kolophonium eingeriebene Hände beim Kletter eine bessere Griffigkeit bieten; genau wie mit Kolophonium behandelte Sohlen im Tanzsport, die das Rutschen über den Tanzboden unterbinden.
Beim Löten hat sich Kolophonium als Flussmittel bewährt und wird zu diesem Zweck aufgrund der Ähnlichkeit von Farbe und Konsistenz mit Honig als Löthonig bezeichnet.
Daneben ist Kolophonium ein unverzichtbares Utensil für Streichinstrumente. Die Saiten von Geigen, Violen, Bratschen, Cellos oder Kontrabässen werden mit Kolophonium eingerieben. Hinter der Verwendung stecht die Tatsache, dass die Saiten von Streichinstrumenten eine glatte Oberfläche aufweisen, die sich negativ auf den Klang auswirkt. Durch die Behandlung mit Kolophonium werden die Saiten angeraut und die Klangvielfalt erhöht. Bedingt durch den Umstand, dass die Stärke der Saiten von Geige, Cello und Kontrabass unterschiedlich sind, werden im Handel Kolophoniumprodukte in verschiedenen Härtegraden angeboten, die auf den Klang der Instrumente „zugeschnitten“ sind. Während bei Geigen hartes Kolophonium zum Einsatz kommt, wird beispielsweise bei Kontrabässen auf weiches Kolophonium gesetzt.


Kolophonium und Bernstein

Dass die Verwechslung von Kolophonium mit Bernsteinen möglich ist, liegt in der optischen Ähnlichkeit beider Stoffe begründet.
Sowohl Bernsteine wie auch Kolophonium können von gelber, orangefarbener, brauner, roter, rotbrauner, grauer oder schwarzer Farbe sein.
Ein erster Anhaltspunkt zur Unterscheidung von Bernstein und Kolophonium ist der Glanz: während Bernsteine einen harzartigen Glanz aufweisen, ist Kolophonium von glasartigem Glanz. Eine weitere Eigenschaft und Auffälligkeit von Kolophonium ist die Beschaffenheit der Oberfläche, die sich mit der Zeit von glatt in rissig, spröde, splitternd und den Stein durchziehenden Sprüngen bemerkbar macht. Bernsteine hingegen zeigen ein solches Verhalten nicht.
Zudem ist Kolophonium in Alkohol löslich; Bernstein jedoch wird nur oberflächlich von Alkohol angegriffen. Eindeutig ist der Nachweis im Labor: so verändert Kolophonium bei Kontakt mit Dimethylsulfat und wird rosa bis violett. Bernstein nicht.
Ein Umstand, der zur häufigen Verwechslung mit Bernstein führt, sind die Orte, wo Kolophonium gefunden wird. Die Fundorte von Bernstein liegen am Strand – genau wie mitunter Kolophonium. Kolophonium, das an Land gespült wurde, stammt vorrangig von verlorengegangenen Schiffsladungen. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Kolophonium auch von Russland aus in alle Welt verschifft. Bei Schiffsbrüchen oder stürmischen Wetterlagen kann es vorgekommen sein, dass die Fracht mit Kolophonium über Bord ging und Jahre später ans Festland geschwemmt wurde.


Siehe auch:
Bernstein und Phosphor: Zum Verwechseln ähnlich
Bernstein-Imitation: Bakelit und Catalin
Kopal


Quellen:
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Reinicke, R. (2007): Steine am Ostseestrand. Demmler Verlag Schwerin
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München*
⇒ Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
www.papanino.de
www.petzkolophonium.com
⇒ Zerbe, C. (2014): Mineralöle und verwandte Produkte: Ein Handbuch für Laboratorium und Betrieb; Springer Verlag

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Letzte Aktualisierung: 15. Mai 2019




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