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Bernstein-Imitation Bakelit und Catalin



Bakelit und Catalin sind die Namen von zwei Kunststoffen, die nicht nur für Telefone, Steckdosenverkleidungen und Aschenbecher verwendet wurden, sondern auch als Ersatz für Bernstein produziert wurden.

Bernstein

Bernstein ist ein fossiles Harz, das aus der Kiefer Pinus succinifera hervorgegangen ist.
Bernsteine kommen vorrangig in braunen und rotbraunen Farbtönen vor. Dennoch gibt es das fossile Harz auch in farblos (sog. Klar/Klarbernstein), gelb bis karamellfarben (Butterscotch-Bernstein), weiß (Knochen/Knochenbernstein), rot (Cherry-Amber/Kirsch-Bernstein/Antikbernstein) und grau bis schwarz (Schwarzfirnis-Bernstein. Neben Einschlüssen von farbgebenden Mineralien sind vor allem mikroskopisch kleine Bläschen die Ursache für die Farbvielfalt von Bernsteinen. Je heller ein Bernstein ist, desto höher ist die Anzahl der kleinen Bläschen im Bernstein. Weiße und farblose Bernsteine weisen bis zu 1 Mio. Bläschen/mm² auf, wohingegen bei dunkleren Bernsteinen weitaus weniger Bläschen gezählt werden.
Die Form von Bernsteinen ist entstehungsbedingt variabel: tropfenförmig, abrundet, in Form von kleinen Plättchen oder derben Knollen.
Die Bruchstellen von Bernsteinen sind muschelig. Der Glanz ist harzartig bis erdig-matt an den rindenartigen, dunklen Verwitterungskrusten von Bernsteinen. Bernsteine sind von durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Im Bernstein eingeschlossene Gase, Bläschen, Risse oder Fossilien wie Pflanzenteile oder Insekten haben zudem einen Einfluss auf die Transparenz des Steins.
Bernsteine sind weiche Steine, deren Mohshärte 2 bis 2,5 beträgt, sodass man mit dem Fingernagel mühelos auf der Bernstein-Oberfläche einen Kratzer hinterlassen kann. Aufgrund der geringen Dichte – 1,05 bis 1,10 g/cm³ – ist Bernstein in der Lage, im Salzwasser zu schwimmen.


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Bakelit

Bakelit ist ein Kunststoff, speziell Phenoplast, der im Jahr 1905 von Leo Hendrik Baekeland (1863 bis 1944), seines Zeichens Chemiker aus Belgien, entwickelt und 1907 patentiert wurde. 1909 stellte Baekeland seine Erfindung im Club der Chemiker in New York vor. Zwei Jahre später erfolgte die Herstellung von Bakelit in großem Maßstab in der am 25. Mai 1910 gegründeten Bakelit GmbH** am Standort Erkner bei Berlin.
Die Bestandteile von Bakelit sind

  • Formaldehyd: ein stechend riechendes Gas
  • Phenol: ein kristalliner Feststoff mit stechendem Geruch,

die sich über die sog. Polykondensation miteinander verbinden und zu einem festen Kunststoff erhärten, der in jede beliebige Form gebracht werden kann.
Die Vorteile von Bakelit: Das Material ist resistent gegen Hitze, Säure und mechanische Belastung. Selbst unter Temperaturen über 100 °C schmilzt und verformt sich Bakelit nicht. Auch wenn beide Rohstoffe von Bakelit eine stechende Geruchsnote verbreiten, ist nach der Aushärtung des Kunststoffs von dem Geruch nicht mehr viel übrig.
Aufgrund der Materialeigenschaften wurde und wird Bakelit in einer Vielzahl von Alltagsgegenständen im Haushalt, in der Küche und Industrie eingesetzt, z.B. in Schleifscheiben, Globen, Kastagnetten, Gehäuse für Radios, Telefone und Rotlichtlampen, Steckdosenblenden, Lichtschalter-Verkleidungen, Fenster- und Türgriffe, Stifthalter, Schreibtischablagen, Knöpfe, „unkaputtbares“ Geschirr (Teller, Tassen) Rasierer, Dauerfilter für Kaffee, Lampen, Trichter oder Aschenbecher.
Die Farbe von Bakelit ist vorrangig braun bis schwarz. Mit diversen Zuschlagstoffen wie Gesteinsmehl, Asbest, Sägespäne, Farbe, Papier und Stoffen, die während der Herstellung von Bakelit hinzugefügt werden, variieren die Farbe und Muster des Kunststoffs.
Bakelit hat sich ferner einen Namen in der Schmuckbranche gemacht. Als kostengünstiger und allzeit zur Verfügung stehender Rohstoff wurde in der Vergangenheit Schmuck mit „Bakelit-Bernstein“ hergestellt, wobei der Preis von Originalstücken im Retrodesign mitunter den Wert von Schmuck mit natürlichem Bernstein übersteigt.


Catalin

Ein vergleichbares Produkt, das auch als Ersatz für Bernstein verkauft wurde, ist Catalin.
Catalin ist ein Aminoplast, d.h., ein Kunststoff, der aus Formaldehyd und Harnstoff, Melamin oder Dicyandiamid gewonnen wird.
Catalin wurde erstmals in den 1930er Jahren entwickelt und zu ähnlichen Verwendungszwecken wie Bakelit genutzt.
Im Vergleich zu Bakelit neigt Catalin mit den Jahren zusammenzuschrumpfen, ist daneben genauso bruchfest und hitzebeständig wie Bakelit. Einzig die Farbe von Catalin ist abwechslungsreicher: farblos, schwarz sowie braun mit Gelb-, Grün- oder Rotstich.


Bakelit und Catalin von Bernsteinen unterscheiden

Auf den ersten Blick fällt die Unterscheidung von Bakelit, Catalin und Bernstein im verarbeiteten Zustand nicht leicht. Die Farbe und Haptik der Materialien gleicht sich. Ebenso vergleichbar ist die Leichtigkeit von Bernstein, Catalin und Bakelit aufgrund der geringen Dichte.
Ein erster Anhaltspunkt zur Unterscheidung ist der Geruch. Personen, die mit den unterschiedlichsten aus Bakelit herstellten Produkten aufgewachsen sind, erinnern sich an den dezenten Plastegeruch. Bernstein als solches verströmt keinen Duft. Lediglich beim Erhitzen wird der harzige Duft von Bernstein deutlich. Erhitzter Bakelit und Catalin riechen stechend. Zudem wird Bernstein beim Erhitzen weich, sodass man mit einem spitzen Gegenstand eine Rille hinterlassen kann. Bakelit und Catalin hingegen werden nicht weich und lassen sich nicht mit einer heißen Nadel zerkratzen.
Schwierig wird die Bestimmung außerdem, wenn in Catalin und Bakelit als Bernstein-Ersatz Insekten und Pflanzen eingearbeitet wurden, welche die Inklusen echter Bernsteine nachahmen.
Neben der Prüfung auf Härte und das Verhalten beim Erhitzen bietet der Test unter UV-Licht Gewissheit bezüglich der Echtheit. Bernstein leuchtet unter UV-Licht blau bis dunkelgrün, bei Catalin und Bakelit erfolgt keine Reaktion.


Siehe auch:
Polybern
Echtbernstein, Naturbernstein und Rohbernstein
Bernstein und weißes Phosphor – Zum Verwechseln ähnlich


Quellen:
Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
Reinicke, R. (2007): Steine am Ostseestrand. Demmler Verlag Schwerin*
Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach*
Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München*
Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart*
Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag*
Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München*
⇒ Schwedt, G. (2013): Plastisch, elastisch, fantastisch. Ohne Kunststoffe geht es nicht. Wiley VCH Verlag GmbH & Co.
www.stadtmuseum.de
www.bakelitmuseum.de
www.chemieforum-erkner.de
https://wiki.polymerservice-merseburg.de

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Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2018

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