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Lupenreine Diamanten - lupenrein und augenrein



Im Zusammenhang mit Edelsteinen und vor allem Diamanten wird immer wieder ein bestimmter Begriff verwendet: lupenrein. Ein Qualitätsmerkmal von Edelsteinen, das die höchste Reinheit umschreibt.

In den 1950er Jahren wurde in den USA vom Gemological Institute of America (GIA) ein System erschaffen, das sich der Bewertung der Qualität von Diamanten nach objektiven Maßstäben auseinandersetzt. Die 4C.

Namentlich werden heute mit Hilfe der 4C die Farbe (Color), der Schliff (Cut), das Gewicht (Carat) und die Reinheit (Clarity) erfasst. Alle Kriterien sind genau aufgeschlüsselt und definiert, so dass eine sachliche Einschätzung des Wertes von Diamanten möglich ist, der internationale Gültigkeit besitzt.

Die Reinheit ist ein Punkt, der nicht nur bei weißen und farbigen Diamanten (auch Fancy Diamanten genannt) Anwendung findet, sondern auch bei anderen farblosen Mineralien oder Farbedelsteinen mit durchsichtiger Transparenz von Bedeutung ist.


Die Reinheit von Diamanten und anderen Mineralien

Die Reinheit von Mineralien umschreibt das Vorhandensein bzw. das Fehlen von Einschlüssen oder äußeren Makeln von Kristallen.

Naturbelassene Mineralien sind aufgrund der Entstehung nicht in allen Fällen fehlerfrei. Im Kristall eingelagerte und eingeschlossene Gase, Flüssigkeiten oder andere Mineralien, Bruchstellen, Risse, Trübungen in Form von Wölkchen oder federartigen Zeichnungen, Wachstumslinien oder Hohlräume können den Glanz negativ beeinflussen. Unreine Steine sind demnach nicht nur ein optisches Problem, sondern auch eine Größe, welche die Brillanz von Diamanten „stört“. Ist die Anzahl der Unreinheiten zu hoch, die Einschlüsse zu deutlich erkennbar, kann das mit einer nicht unerheblichen Preisminderung einhergehen.

Anzumerken bleibt zudem, dass bei der Förderung von Diamanten bereits vorab eine Auswahl getroffen wird, welche Diamanten zu Schmuckzwecken weiterarbeitet werden und welche Diamanten Einsatz als Industriediamanten finden. Industriediamanten sind von minderwertiger Qualität (zu viele Einschlüsse, farbschwach, etc.) und machen etwa 80 % der globalen Fördermenge aus. Lediglich 20 % aller auf der Welt gefundenen Diamanten werden zu Schmuck verarbeitet.


Definition lupenrein – Lupenreine Diamanten

Ein Diamant wird als lupenrein (englisch: loupe clean) bezeichnet, wenn unter 10-facher Vergrößerung weder im noch am Diamant Fehler oder Einschlüsse jedweder Art auszumachen sind.

Dazu wird der Diamant unter einer Lupe betrachtet, um herauszufinden, ob und wie viele innere Makel oder äußere Fehler wie Schrammen, abgebrochene Ecken oder Kratzer auf der Oberfläche des Diamanten vorhanden sind.

Entsprechend dem System der GIA werden zwei Stufen der Lupenreinheit von Diamanten unterschieden: fl (flawless) und if (internally flawless). Der Unterschied zwischen beiden lupenrein-Stufen ist für den Laien möglicherweise schwer zu erkennen, doch ein Diamantengutachter weiß, dass Diamanten mit dem Prädikat flawless Diamanten von höchster Güte sind, da keinerlei Makel sichtbar sind. If-Diamanten hingegen weisen kleinere Fehler auf der Steinoberfläche auf, gelten dennoch als lupenrein.


Definition augenrein – Augenreine Diamanten

Augenreine Diamanten sind Diamanten, bei denen keine Vergrößerung zur Hand genommen wird, um die Reinheit festzustellen. Vielmehr wird sich auf das geschulte Auge verlassen, das Fehler im oder am Diamanten sieht. Sind mit dem Auge keine Einbußen der Reinheit wahrzunehmen, gilt ein Diamant als augenrein (englisch: eye clean).

Auch hier wird in Stufen unterschieden, wie ausgeprägt das Augenreine von Diamanten ist. Die Kürzel VVS 1 (very, very slightly inclusions/sehr, sehr geringfügige Einschlüsse), VVS 2 (very slightly inclusions/sehr geringfügige Einschlüsse), VS 1 (very slightly inclusions/sehr geringfügige Einschlüsse), VS 2 (very slight inclusions/ehr geringfügige Einschlüsse), SI 1 (slightly inclusions/geringfügige Einschlüsse), SI 2 (slight inclusions/geringfügige Einschlüsse) spiegeln den Titel augenrein wider.

Während bei VVS 1-Diamanten unter 10-facher Vergrößerung nur extrem schwer Fehler und Einschlüsse auszumachen sind, werden die Abstriche hinsichtlich der Reinheit hin zur Stufe SI 2 immer gravierender, sodass die Einschlüsse und Defekte unter Vergrößerung einfach zu sehen sind, aber noch nicht mit dem bloßen Augen.

Anders verhält es sich bei geringsten Reinheitsstufe Piqué; bei Piqué-Diamanten (alternativ Pikee-Diamant) sind die Unreinheiten deutlich sichtbar.


Nachträgliche Reinheitsverbesserung

Diamanten, deren Reinheit nicht dem gewünschten Standard entspricht, können im Nachhinein korrigiert werden.

Dabei finden vor allem Behandlungen unter Druck und/oder hohen Temperaturen statt. Derartige Korrekturen müssen beim Kauf von Diamanten angezeigt werden.

Ein Verfahren, das sich in den vergangenen 30 Jahren etabliert hat, um Risse in Diamantkristallen aufzufüllen, ist die Verwendung von Glas. Flüssiges Glas wird in die fehlerhaften Stellen gegossen und härtet dort aus. Bedingt durch die Tatsache, dass Glas einen mit Diamanten vergleichbaren Brechungsindex aufweist, fällt die Glasfüllung optisch nicht auf. Lediglich unter dem Mikroskop erkennt man blaue und orangefarbene Blitze, die erscheinen, wenn der Diamant bewegt wird.


Der Preis von lupenreinen Diamanten

Pauschale Aussagen, wie viel ein lupenreiner Diamanten kostet, sind nicht einfach zu treffen. Die Frage nach dem Preis von Diamanten ist vielmehr ein Zusammenspiel aus Farbe, Schliff und dem Gewicht, resp. der Größe eines Diamanten.

Ist beispielsweise die Farbe eines Diamanten stark gelbstichig, die Reinheit und der Schliff hingegen sind perfekt, ist der Wert eines lupenreinen Diamanten mit gleichem Gewicht und Schliff sowie hochfeinem Weiß wesentlich höher.

Die Preisunterschiede von lupenreinen Diamanten verglichen mit augenreinen Diamanten sind teilweise gravierend, so dass die Abzüge des Preise bei gleicher Farbe, gleichem Gewicht und Schliff (bspw. Brillantschliff) bis zu 50 % betragen. Noch einschneidender ist der Vergleich von lupenreinen Diamanten mit Piqué-Diamanten, wo bei gleichem Schliff, gleicher Farbe und Gewicht ein Piqué-Diamant bisweilen 90 % weniger kostet als ein lupenreiner Diamant.



Siehe auch:
Diamanten, die keine sind
Berühmte Diamanten
Mineralien und Edelsteine als Wertanlage


Quellen:
Bank, H. (1992): Diamanten. Pinguin-Verlag Innsbruck*
Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach*
Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München*
Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
- www.mindat.org - diamond

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Letzte Aktualisierung: 7. November 2018

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