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Smaragd-Jardin – Eine Frage der Reinheit



Die Qualität von geschliffenen Edelsteinen – und damit auch der Preis – wird nach vier Kriterien bewertet: das Gewicht in Karat, die Farbe, der Schliff und die Reinheit. Lupenreine Steine werden stets höher gewertet als unreine Exemplare. Eine Ausnahme gilt bei dem grünen Edelstein Smaragd. Kristallklare Smaragde ohne Einschlüsse ober Fissuren werden entgegen der Regel nicht als wertmindernd eingestuft, sondern als Jardin-Smaragd ausgezeichnet.

Der Smaragd

Smaragde sind die grünen Vertreter der Beryllgruppe, die unter anderem auch andere bekannte Mineralien wie Aquamarin, Morganit, Roter Beryll/Bixbit und Goshenit umfasst.
Das Grün von Smaragden ist sehr abwechslungsreich und reicht von gelbgrün bis hin zu blaugrün, intensiv dunkelgrünen Farbtönen oder hellgrün, wobei Chrom und Vanadium als farbgebende Elemente zu nennen sind.
Dass Smaragde das Prädikat Edelstein tragen, wird mit der Härte des Minerals begründet. In der Mineralogie wird die Härte von Mineralien nach der zehnstufigen Mohs´schen Härteskala bewertet: von Härtegrad 1 (= sehr weich, bspw. Talk) aufsteigend bis 10 (= sehr hart, Diamant). Als Edelstein werden jedoch nur diejenigen Mineralien definiert, deren Mohshärte höher als 7 beträgt. Smaragde erfüllen mit einer Mohshärte von 7,5 bis 8 die Voraussetzungen der Edelsteinhärte.


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Die Reinheit von Smaragd

In der Mineralogie werden drei Arten der Transparenz unterschieden:

  • durchsichtig
  • durchscheinend bzw. transparent
  • undurchsichtig bzw. opak

Smaragde können sowohl durchsichtig wie auch von durchscheinender bis undurchsichtiger Transparenz sein. Die Ursachen sind verschiedener Natur: neben Inklusionen von Gasen, Flüssigkeiten oder anderen Mineralien können Spannungsrisse und entstehungsbedingte Wachstumslinien die Reinheit ebenfalls beeinträchtigen, sodass der grüne Edelstein trüb und opak wirkt.
Zu den am häufigsten in Smaragden eingeschlossenen Mineralien zählen Granat und das Glimmermineral Biotit, aber auch Chromit, Apatit, Aktinolith, Tremolith, Pyrit sowie Parisit wurden in Smaragden gefunden.
Die für Smaragde typischen Fissuren, d.h., kleine Risse, hingegen sind ursächlich auf die farbgebenden Chrom- und Vanadium-Ionen zurückzuführen. Aufgrund der Atomgröße passen diese nicht perfekt in die Gitterstruktur von Beryllen und führen so zu Störungen und Deformationen des Kristallgitters, die wiederum sichtbar Ausdruck in den Fissuren finden.

Da die Einschlüsse in Smaragden oftmals auch ohne Vergrößerung zu erkennen sind, wird bei Smaragden und der Bewertung der Qualität der Reinheit eine Ausnahme gemacht.
Im Normalfall wird bei anderen Mineralien zwischen lupenrein und augenrein unterschieden. Während bei lupenreinen Steinen Unreinheiten und Einschlüsse – je nach Ausprägung und Anzahl – mittels 10-facher Vergrößerung unter der Lupe nur schwer auszumachen sind, können Einschlüsse bei augenreinen Steinen mit dem bloßen Auge nicht erkannt werden.
Lupenreine Smaragde sind eine exklusive Seltenheit, weshalb man sich darauf verständigt hat, die Reinheit von Smaragden nach der Augenreinheit als Optimum zu begutachten. So kann es sein, dass ein augenscheinlich reiner Smaragd unter der Lupe ausgeprägte Inklusionen aufweist.


Jardin und Smaragd

Der Begriff Jardin stammt aus dem Französischen und wird mit Garten übersetzt. Tatsächlich erinnert die Formenvielfalt speziell in Smaragden an Miniaturgärten. Moosartige, dendritische Verästelungen und federartige Zeichnungen oder zierliche Wölkchen verleihen dem grünen Stein einen einzigartigen Charakter.
Als besonders harmonisch gilt ein Jardin, wenn dessen Farbe ebenfalls grün ist und nur wenige Nuancen vom Grundton des Steins abweicht. Zu helle, beinahe weiß wirkende Zeichnungen werden hingegen als störend empfunden.


Die Reinheitskorrektur von Smaragden

Damit auch Smaragde mit einer Vielzahl von Rissen verkauft werden können, werden diese einer Schönheitsbehandlung unterzogen. Experten zufolge ist kaum ein geschliffener Smaragd im Handel nicht behandelt. Zu den gängigsten Verfahren, um die Risse aufzufüllen, zählt das Auffüllen mit Öl, Harz oder Kunstharz (z.B. Epoxidharz). In der Regel sind die Füllstoffe von durchsichtiger Farbe, da es primär um die Verbesserung der Reinheit geht. Zwecks Steigerung der Farbtiefe werden bisweilen auch grün eingefärbte Öle, Harze oder Wachse verwendet. In beiden Fällen muss die Behandlung des Steins für den Verbraucher kenntlich gemacht werden.

In der Reinheitsverbesserung von Smaragden hat sich insbesondere Zedernholzöl etabliert. Der Grund: der Brechungsindex (engl. Refractive index) von Zedernöl ist mit einem Wert von 1,496 bis 1,516 annähernd gleich hoch wie der Brechungsindex von Smaragd mit 1,565 bis 1,662. Der Brechungsindex ist eine wichtige Größe, die den Glanz von Edelsteinen maßgeblich beeinflusst. Definiert als Verhältnis der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum zur Lichtgeschwindigkeit in einem Medium, hier Mineral, beschreibt die dimensionslose Größe, wie stark Licht gebrochen und reflektiert wird. Einschlüsse jedweder Art und Risse wirken sich negativ auf den Eintritt des Lichts in das Mineral aus und damit auch auf den Glanz, insofern Inklusionen oder Fissuren den Weg des Lichts ablenken und der Stein folglich trüb und weniger strahlend wirkt.
Aufgrund des vergleichbaren Brechungsindexes ist Zedernöl geeignet, Lücken im Stein nahezu unsichtbar aufzufüllen, sodass der Stein in Gänze farblich einheitlicher und reiner erscheint. Dazu wird der Smaragd zunächst gereinigt, bis das Öl oder Harz via Vakuumpumpe in den Stein geleitet wird. Gleichzeitig werden eventuell vorhandene Luftbläschen verdrängt und das Füllmaterial kann tiefer in den Stein vordringen. Abschließend wird der Stein mittels Wachs oder Paraffin versiegelt bzw. stabilisiert.

Trotz des aufwändigen Verfahrens ist die Behandlung nicht von Dauer. Die Versiegelung trägt sich mit der Zeit ab und das Öl wird zersetzt. Kosmetika und Tenside sind dabei die größten Störfaktoren. Haarspray, Creme, Duschgel, Shampoo, Seife und Reinigungsmittel spülen die schützende Ummantelung im Laufe der Zeit ab. Aus diesem Grund wird empfohlen, Schmuck mit Edelsteinen beim Waschen und Putzen generell abzulegen und die Öl- oder Harzbehandlung von Smaragden gelegentlich aufzufrischen, damit der Stein nicht zerspringt.


Siehe auch:
Der Smaragdschliff
Smaragde aus Kolumbien
Farbedelsteine und das A-AA-AAA-System


Quellen:
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
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Letzte Aktualisierung: 25. September 2019




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