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Steinerne Zeugen - Versteinerter Wald von Chemnitz



Inmitten der sächsischen Stadt Chemnitz befindet sich ein Wald, der bereits ein Alter von über 300 Mio. Jahren aufweist – der Versteinerte Wald von Chemnitz.

Ein Wald aus versteinertem Holz

Die ersten Funde versteinerter Baum- und Pflanzenteile wurden im frühen 18. Jahrhundert in Hilbersdorf/Sachsen entdeckt.
Neben liegenden, umgeknickten und stehenden Ästen und Stämmen wurden im Jahr 1737 auch Wurzeln aus Stein bei Arbeiten unter der Erdoberfläche von Chemnitz gefunden.


Die Entdeckung des versteinerten Waldes erweckte regional große Aufmerksamkeit, sodass selbst der vom Dresdener Kürfürsten August III. (1696 bis 1793) zum Edelsteininspektor ernannte David Frenzel (1691 bis 1772) Interesse an den versteinerten Hölzern verlautbaren ließ. Aus dem nach Dresden gelieferten Material wurden Zier- und Schmuckgegenstände gefertigt. Ausgestellt wurden die Kunsthandwerke von 1759 bis 1849 im Dresdner Zwinger.
Der Grund für das Ende der beinahe 100-jährigen Ausstellungszeit war ein Brand in Dresden, bei dem am 6. Mai 1849 neben im Zwinger lagernden botanischen Exponaten und Bibliotheken auch die Werke aus versteinertem Holz vernichtet wurden.


Bild 1: Versteinertes Holz


Seit den ersten Funden des Versteinerten Waldes im heutigen Chemnitzer Stadtteil Hilbersdorf wurden immer wieder Fossilien, speziell versteinertes Holz (Dendrolith) im Umkreis der Stadt in Sachsen freigelegt. Der letzte Fund wurde im Jahr 2008 registriert.


Heutzutage ist der Versteinerte Wald an einigen Stellen in Chemnitz zu sehen. Die größte Sammlung befindet sich im Innenhof des Kulturkaufhauses DAStietz, das neben dem Museum für Naturkunde auch die Volkshochschule, Neue Sächsische Galerie, Stadtbibliothek und Geschäfte beherbergt.
Derzeit ist im Naturkundemuseum Chemnitz das größte Exemplar des Versteinerten Waldes zu sehen – ein zehn Meter langer und bis zu 22 cm dicker Schachtelhalm: von der Paläontologischen Gesellschaft zum Fossil des Jahres 2010 deklariert. Insgesamt wurden bislang etwa 380 versteinerte Hölzer und ca. 700 Negativabdrücke weiterer Fossilien sichergestellt.


Aufgrund der geobotanischen und –historischen Einzigartigkeit wurde 2006 bei der UNESCO ein Antrag auf Ausweisung als Weltnaturerbe gestellt.

Entstehung des Versteinerten Waldes

Im Normalfall kommt es nach dem Ableben von Pflanzen zur Zersetzung sämtlichen organischen Materials. Der Versteinerte Wald von Chemnitz ist ein Beispiel, dass Verwesungsprozesse unterbunden werden können.

Dass die Bäume über Jahrmillionen hinweg konserviert werden konnten, wird mit zahlreichen Vulkanausbrüchen in der weit zurückliegenden Vergangenheit begründet.
Zur Zeit des Perms befand sich das heutige Chemnitz nicht nur am Äquator und war von tropischen Regenwaldpflanzen bewachsen, Chemnitz war zudem durch einen aktiven Vulkanismus geprägt. Bedingt durch tektonische Vorgänge kam es zu Vulkanausbrüchen in der sächsischen Stadt – heute ist bedeutendste Chemnitzer Vulkan als Beuthenberg (420 m ü. NN) bekannt.


Mit den vielfach stattfindenden Vulkaneruptionen verbunden waren bis zu 1.000 °C heiße Auswürfe von Asche, Flüssigkeiten und magmatischen Gesteinen (Pyroklastika). Das vulkanische Material war von zerstörerischer Kraft; in der näheren Umgebung des Beuthenbergs wurden alle Bäume und Pflanzen entwurzelt, abgebrochen oder aufrecht stehend mit Pyroklastika überdeckt. Unter der Asche- und Gesteinsdecke wurde die Fauna förmlich isoliert – Verwesungsvorgänge konnten aufgrund von Sauerstoffmangel nicht stattfinden. Stattdessen bewirkten zirkulierende, kieselsäurehaltige Lösungen, dass die Zellstruktur der Pflanzen verkieselte, d.h. die Zellsubstanz wurde durch Minerale wie bspw. Quarz, Fluorit, Calcit oder Apatit ersetzt, sodass der Versteinerte Wald von Chemnitz als steinerner Zeuge der Pflanzenwelt aus vergangenen Zeiten erhalten werden konnte.


Neben geologischen Rekonstruktionen wurde das fossile Material zum Bau der Villa Knauer/Schloß Göbers verwendet.


Siehe auch:
In, auf und aus Gestein gebaut: Villa Knauer/Schloß Gröbers.
Pseudofossilien
In, auf und aus Gestein gebaut - Gletschersteinpyramide Leipzig


Quellen:
- www.naturkunde-chemnitz.de
- www.chemnitz.de
Schumann, W. (1994): Steine und Mineralien sammeln; finden, präparieren, bestimmen. BLV Verlag München*
Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg*
Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
- www.nps.gov/pefo/naturescience/petrified-wood.htm

* = Affiliate Link

Letzte Aktualisierung: 4. April 2018

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