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In, auf und aus Gestein gebaut - Steinmännchen



Auch wenn die kleinen Häufchen aus Steinen aussehen, als wären sie aus einer Laune der Natur entstanden, so sind die folgenden Steinhaufen doch von Menschenhand geschaffen – Steinmännchen.

Steinmännchen

Steinmännchen sind aus verschiedenartigen Gesteinen aufgebaute Türme oder Hügel, die bis zu 150 cm, teilweise auch höher, sind. Die Steine der Figuren sind schichtweise so aufeinandergestapelt, dass keine Bindemittel oder anderweitige Fixierungen nötig sind.


Bild 1: Steinmännchen auf den Färöer-Inseln

Steinmännchen und Steinfrauen

Der Form nach werden die Figuren aus Stein in Steinmännchen und Steinfrauen unterschieden. Während Steinmännchen ohne weitere Verzierungen kegel- oder säulenförmig aufgebaut sind, verfügen die Steinfrauen dank zwischengelagerter, länglicher Steine über „Arme“.

Steinmännchen in aller Welt

Steinmännchen sind weltweit verbreitet, was anhand der Übersetzungen aus anderen Ländern deutlich wird.
In Grönland und Kanada bei den Inuit ist die Bezeichnung Inuksuk gebräuchlich, Norwegen spricht von Gravrøys, Schweden von Röse, Finnland von kummeli und in Dänemark werden Steinmännchen ähnlich wie in Island – Varða, Varda genannt. England kennt die Steinfiguren als cairn, Irland und Schottland als carn und in Wales findet sich im allgemeinen Sprachgebrauch der Name caneed. Weitere Bezeichnungen in Europa sind Steinmandl/Bayern und weiten Teilen Österreichs, Gromila/Serbien, Steenmannetje/Niederlande, Ometto/Italien und Moledro/Portugal. Außerhalb von Europa sind Steinmännchen ebenso üblich und heißen dort ahu/Hawaii, Pachamama/Südamerika und Lhatos sowie Lhadse/Tibet.


Bild 2: Steinmännchen in Norwegen (Quelle: Rainer Wichmann / pixelio.de) )

Die Beweggründe, aus denen Steinmännchen in der Vergangenheit und auch noch heute errichtet werden, sind vielfältig: einige sind praktischer Natur, andere Steinmännchen dienen religiösen Bräuchen oder stützen sich auf Mythen.


Die vermutlich häufigste Nutzung von Steinmännchen ist die als Wegmarkierung. Als Wegleiter dienen die Steinmänner der Orientierung und als Warnung vor Hindernissen oder Gefahren. Häufig ersetzen Steinmännchen zudem in Gebirgen und Hochländern Gipfelkreuze.


In Gegenden, die aufgrund der Geländebeschaffenheit schwer mit Fahrzeugen oder großen Gerätschaften zu erreichen sind, werden Steinmännchen als Meßstationen genutzt, um das Gelände zu vermessen bzw. zu kartieren.


Auch im Wasser ist die Aufstellung von Steinmännchen bisweilen üblich, insbesondere, um die Spurrinne von Wasserstraßen zu markieren oder um auf mögliche Flachstellen im Fließgewässer hinzuweisen.


In Grönland und Nordostkanada werden Steine zu Steinmännchen gestapelt, um die Rentierjagd zu erleichtern. Die sogenannten Inuksuk der Inuit werden zu Land strategisch so aufgestellt, dass Korridore entstehen, durch welche die Rentiere bei der Jagd geleitet werden.
Im Wasser stehende Steinmännchen verweisen auf gute Fangmöglichkeiten und Steinmännchen am Wasserrand zeigen Wasserstraßen an, die für Kanutouren geeignet sind.


Bild 3: Steinmännchen in Kanada (Quelle: Maria Lanznaster / pixelio.de)

In Schweden, auf Island und den Färöer-Inseln kommt Steinmännchen zusätzlich die Bedeutung als Weg- oder Grundstücksmarkierung zu.


In vielen Ländern ist der Brauch, Steinmännchen aus religiösen und mythologischen Gründen aufzustellen, auch heute noch von Bedeutung.


Steinmännchen in Griechenland gehen auf die Verehrung von Hermes, seines Zeichens Götterbote und Schutzgott aller Reisenden. Um Wanderer vor unwegsamem Gelände oder großen, steinernen Hindernisse zu bewahren, entfernte Hermes die Steine von den Wegen und legte diese aufeinander gestapelt am Wegrand nieder.


Ähnlich ist es bei den Norwegern. Um unbescholten vor den Boshaftigkeiten der heimischen Trolle davonzukommen, wird bei Wanderungen auf jeden Gravrøy ein weiterer Stein niedergelegt.


In Tibet werden zwei verschiedene Arten von Steinmännchen praktiziert – Lhadse und Lhatos. Lhadse sind gekennzeichnet durch die unwillkürliche Stapelung der Steine. An der Oberkante werden oft zusätzlich dünne Zweige befestigt, um dem hauseigenen Schutzgeist ein Heim zu bieten. Lhatos hingegen sind geometrischer aufgebaut. Die spitzen Hügel werden ebenso verziert, bspw. mit Bändern, bunten Gebetsfahnen, tierischen Skeletten und Farbe. Rote Färbungen sind boshaften Geistern gewidmet, vor deren Wirkungen man sich Schutz verspricht und weiße Färbungen sind als Einladungen, gerichtet an die guten, Wohl bringenden Geister, zu verstehen.

Die Gesteine der Steinmännchen

Steinmännchen werden aus Gesteinen unterschiedlicher Größe, Art und Beschaffenheit aufgetürmt. Als Material dienen alle vor Ort befindlichen Steine wie Granit, Schiefer, Sandstein, Kalkstein, Basalt oder Andesit. Abhängig von der Beschaffenheit der Gesteine und der Farbe können Steinmännchen sowohl kantig als auch von rundlicher Gestalt und verschieden farbig sein.


Siehe auch:
Findlinge
In, auf und aus Gestein gebaut - Moais der Osterinsel
Hildegard von Bingen und die Heilsteine


Letzte Aktualisierung: 1. August 2018

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