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Der Graphit von Kropfmühl



Kropfmühl ist ein Ort, der Teil der Stadt Hauzenberg in Bayern nahe Passau ist und sich seit über 150 Jahren weltweit einen Namen in der Gewinnung eines grauschwarzen Minerals gemacht hat: der Graphit von Kropfmühl.

Graphit

Graphit ist ein Mineral, das aus reinem Kohlenstoff (C) besteht und der in der Mineralogie gängigen Systematik der Mineralien zufolge den gediegenen Elementen zugeordnet wird.
Die Farbe von Graphit ist dunkelgrau bis schwarz bei metallischem bis matten Strichfarbe, d.h., die Farbe, die entsteht, wenn ein Mineral über eine unglasierte Porzellantafel – die Strichtafel – gerieben wird, ist dunkelgrau.
Genau genommen handelt es sich bei der Strichfarbe um den pulverförmigen Abrieb eines Minerals. Ob die Strichfarbe weiß/farblos oder farbig ist, variiert von Mineral zu Mineral. Bezugnehmend auf die Tatsache, dass die Strichfarbe von Graphit farbabgebend ist und Graphit bereits in der Vergangenheit zum Schreiben genutzt wurde, gab der Mineraloge Abraham Gottlob Werber 1789 dem Mineral den aus dem Altgriechischen stammenden Namen Graphit (altgriech. graphein = schreiben).
Gegen das Licht gehalten, erscheint Graphit von undurchsichtiger Transparenz und ist ferner durch einen unebenen Bruch sowie eine vollkommene Spaltbarkeit gekennzeichnet. Graphit zählt mit einer Mohshärte von 1 bis 2 zu den sehr weichen Mineralien; vergleichbar mit Talk, Selenit, Gips, Silber oder Glimmer.


Das Graphitbergwerk von Kropfmühl

Die Geschichte des Graphits von Kropfmühl fußt auf einem Zufall.
Lange Zeit, bevor mit dem Abbau des Graphits in Kropfmühl in Stollen untertage begonnen wurde, sammelten die Bauern der Umgebung das dunkle Mineral auf Feldern auf. Durch das Pflügen und die Arbeit auf den Äckern um Kropfmühl gelangte immer wieder graphithaltiges Erz an die Oberfläche.
Im Jahr 1870 wurde wegen der reichhaltigen Erträge und der Aussicht auf viel versprechende Fördermengen mit der Gewinnung von Graphit in großem Maßstab begonnen.
Anders als in Salzstöcken, wo das Salz mittels Sprengung gewonnen wird, bedarf es bei der Förderung von Graphit keinerlei Sprengstoff. Aufgrund der geringen Härte des Minerals und der linsenartigen Vorkommen kann der Graphit in Kropfmühl förmlich aus dem Anstehenden herausgekratzt werden.
Seit dem 5. Dezember 1916 ist das Graphitbergwerk unter dem Namen Kropfmühl AG**, heute: Graphit Kropfmühl GmbH**, bekannt, knapp 90 Jahre später wurde das Werk 2005 aus Gründen der mangelnden Rentabilität geschlossen. Im Juni 2012 wurde mit der weltweit steigenden Nachfrage nach dem Rohstoff Graphit der Betrieb wieder aufgenommen. Laut Kropfmühl AG spielen die immer populärer werdenden Elektroautos dabei eine nicht unwichtige Rolle.
Parallel zum laufenden Betrieb wurde 1983 ein Besucherbergwerk einschließlich begehbarer historischer Stollen eingerichtet, das Interessierten die Geschichte des Kropfmühler Graphits und den Gang der Gewinnung und Verarbeitung anschaulich vermittelt.


Der Graphit von Kropfmühl

Die Umgebung von Kropfmühl ist im Wesentlichen durch zwei verschiedene Gesteine geprägt: Granit und Gneis – ein Gestein vulkanischen Ursprungs und ein Gestein, das unter metamorphen Bedingungen entstanden ist. Untersuchungen der regionalen Geologie belegen, dass die Gesteine zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind. Das ältere Gestein ist der graphithaltige Gneis, der stellenweise vom jüngeren Granit durchdrungen ist.
Der Graphit im Gneis ist in Form von langgezogenen Linsen ausgeprägt, was den Abbau des Minerals erleichtert.
Entstehungsbedingt ist der Graphit von Kropfmühl mit einer Vielzahl von anderen Mineralien verwachsen, darunter unter anderem Rutil, Pyrit und das Glimmermineral Biotit. Für eine wirtschaftliche Verwendung muss Graphit eine hohe Reinheit sowie den höchstmöglichen Kohlenstoffgehalt aufweisen, d.h., Beimengungen anderer Mineralien sind unerwünscht. Die „Reinigung“ des abgebauten Graphits erfolgt in mehreren, aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst wird das Material trocken aufbereitet. Das graphithaltige Gestein wird zerkleinert und anschließend der sogenannten Röstung (Erhitzen auf 400 bis 500 °C) unterzogen. Ein Schritt, mit dem der mit Graphit assoziierte Pyrit abgetrennt wird.
Im Zuge der nachfolgenden Flotation – Nassaufbereitung – wird der Graphit abermals zerkleinert und in ein mittels Rührwerk sich ständig in Bewegung befindliches „Bad“ aus warmem Wasser sowie Flotationsöl gegeben. An den Öltröpfchen setzen sich die flockenartigen Graphitteilchen ab, während das taube, unbrauchbare Material im Bad verbleibt. Nach der Flotation wird der Graphit erneut geröstet, um das Öl zu entfernen.
Infolge der verschiedenen Schritte der Aufbereitung erhält man am Ende Graphit mit einem Kohlenstoffgehalt von bis zu 98 %.


Eigenschaften und Verwendung von Graphit

Auch der Name Bleistift die Vermutung nahe lässt, dass Blei das farbgebende Element von Bleistiften ist, wird bei Bleistiften seit jeher auf Graphit gesetzt. Graphit ist weich genug, um mühelos auf Papier Farbe abzugeben. Die Intensität der Farbe bzw. die Härte von Bleistiften wird über den zusätzlich mit der Härte (H, B, HB) variierenden Tongehalt von Bleistiften bestimmt. Daneben ist Graphit ein aus der Elektrotechnologie nicht mehr wegzudenkender Rohstoff. Sowohl in Elektroautos, Batterie und Akkus findet Graphit Einsatz.
Die Verwendung von Graphit in der Elektronik wird mit der elektrischen Leitfähigkeit des Minerals betont.
Daneben zeichnet sich Graphit durch eine hervorragende thermische Leitfähigkeit und Feuerbeständigkeit aus, weshalb Graphit auch in der Reaktortechnik, in Schmelztiegeln bzw. für feuerfeste Keramik eingesetzt wird. Weiterhin wird Graphit als Schmierstoff genutzt, genau wie pulverisierter Graphit bei der Herstellung von Gipskartonplatten hinzugefügt wird, um die Wärme in Gebäuden aufrecht zu erhalten bzw. zu speichern.


Siehe auch:
Alltägliches - Bleistifte
Die Schneekopfkugeln vom Thüringer Wald
Schwarze Diamanten


Quellen:
www.gk-graphite.com
www.mineralienatlas.de
http://graphit-bbw.de
Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach*
Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag*
Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München*
- www.mindat.org

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Letzte Aktualisierung: 21. Juni 2018

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