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Höhlen in Deutschland - Marienglashöhle Friedrichroda



Unweit von Finsterbergen und Tabarz befindet sich am Ortsrand von Friedrichroda/Thüringen eine Höhle, die sowohl natürlichen Ursprungs ist, aber auch von Menschenhand geschaffen wurde – die Marienglashöhle.

Die Höhle

Die Marienglashöhle blickt auf eine lange Geschichte zurück – sowohl geologisch als auch bergbautechnisch.

Der Bergbau im Thüringer Wald ist wegen zahlreicher Bodenschätze seit Jahrhunderten von wirtschaftlicher Bedeutung. Funde von kupferhaltigen Gesteinen in Mittelthüringen bewegten Kumpel des späten 18. Jahrhunderts zu Grabungen auch in der Gegend um Friedrichroda.
Aus diesem Grund wurde in den Felsen des Tannenkopfs (621 m) im Jahr 1775 ein Stollen gesprengt.
Während weiterer Vorsprünge in dem Bergwerk wurde 1778 ein natürlicher, mit Kristallen ausgekleideter Hohlraum erschlossen. Die sogenannte Kristallgrotte der Marienglashöhle beherbergt heute noch unzählige farblose und weiße Gipskristalle von enormer Größe. In Anlehnung der Verwendung des thüringischen Gipses für sakrale Kunstwerke, v.a. Marienbildnisse, wurde die Höhle Marienglashöhle getauft.


Bild 1: Kristallgrotte der Marienglashöhle


Die seinerzeit anvisierte Kupferausbeute der Marienglashöhle bzw. des Ernst-August-Stollens lag weit unter den Erwartungen. Jedoch stellte die Ausbeute an Gips, speziell Selenit ein abbauwürdiges Potential des mineralischen Rohstoffes dar. Bis 1903 wurden schätzungsweise ca. 20.000 t Gips in der Marienglashöhle abgebaut. Im gleichen Jahr wurde der Abbau endgültig eingestellt und die Kristallgrotte in Teilstücken der Öffentlichkeit als Schaubergwerk zugänglich gemacht.

Während der Kriegsjahre war der Zutritt zur Höhle nicht möglich; die Neueröffnung der Marienglashöhle erfolgte am 30. November 1968.

Heutzutage können auf einer Länge von 300 m Abschnitte der Höhle ganzjährig unter fachkundiger Führung besucht werden.


Bild 2: Gipskristalle der Marienglashöhle

Entstehung der Kristallgrotte

Die Gipsgrotte der Marienglashöhle entstand im Zuge etlicher geologischer Vorgänge.
Die Geologie der Region um Friedrichroda, Finsterbergen und Tambach-Dietharz ist vor allem durch Schiefer sowie Porphyre und Sedimente aus dem Rotliegenden (vor ca. 300 bis 250 Mio. Jahren) geprägt.
Wie viele Gebirge Mitteleuropas sind die Anfänge der Gebirgszüge des Thüringer Waldes auf die Variskische Gebirgsbildung zurückzuführen: vor etwa 416 Millionen Jahren bewegten sich die damaligen beiden Großkontinente Pangäa und Gondwana aufeinander zu. Mit der Kollision einhergehend wurde die Kontinentalmasse aufgefaltet, erkennbar anhand der sogenannten variskischen Gebirge – in Europa von Nordwest nach Südost streichend: beginnend im Süden Englands über die Benelux-Staaten, Deutschland bis zum Balkan und dem Osten der Türkei.
Die infolge dessen entstandene Basis des Thüringer Waldes unterlag an der Erdoberfläche alsbald den atmosphärischen Einflüssen von Niederschlag, Temperatur sowie Wind und verwitterte. Der zerkleinerte, abgetragene Gesteinsschutt wurde von Wind und Wasser in Tälern angesammelt. Durch nachfolgende Sedimentationen und im Abtragungsschutt zirkulierende Lösungen, die anschließend kristallisierten, entstanden erste Sedimentgesteine.
Fortwährend anhaltende tektonische und vulkanische Vorgänge der variskischen Orogenese bis vor 299 Millionen Jahren (Ende Perm) wandelten die Sedimentgesteine unter hohen Temperatur- und Druckbedingungen schließlich in Schiefer um.

Während der folgenden Trias (bis vor 251 Mio. Jahren) wurde das Variskische Grundgebirge durch die Verwitterung so weit abgetragen, dass dieses sich auf Meeresspiegelniveau befand. Folglicherweise kam es in weiten Teilen Mitteleuropas – bis etwa zur heutigen Grenze der deutschen Mittelgebirge – zu Überschwemmungen bzw. zur Ausbildung des Zechsteinmeeres. Die im Wasser des Zechsteinmeeres gelösten Ionen sind heute als Zeugnis anhand von Steinsalz- und ausgedehnten Gipsvorkommen zu belegen. Zeitgleich lagerten sich am Grund des Zechsteinmeeres Sedimente von Kalk und Sand ab.

Vor 65 Millionen Jahren war die Erde weiterhin tektonisch aktiv und es kam zur Hebung des Thüringer Waldes. Dabei wurden die vorherigen Sedimente entwässert und die Salze des Zechsteinmeeres kristallisierten aus. Die Buntsandstein- und Muschelkalkvorkommen um Friedrichroda entstanden. Zum gleichen Zeitpunkt muss in den genannten Sedimenten in einem natürlichen Hohlraum calciumsulfathaltiges Wasser eingeschlossen gewesen sein. Innerhalb von Jahrtausenden versickerte das Wasser aus diesem Hohlraum und aus den Lösungen bildeten sich Kristalle aus Gips. Da Gips zu den wasserhaltigen Sulfaten zählt, wurde während der Kristallisation ein Teil des Wassers in die Kristallgitter des Minerals eingeschlossen.

Bedingt durch die weitläufige Ausdehnung des Zechsteinmeeres sind die Gips- bzw. Zechsteinvorkommen nicht nur auf den Friedrichrodaer Raum beschränkt. Weitere Zechsteinablagerungen in Thüringen befinden sich an der Nordgrenze des Thüringer Schiefergebirges, der Linie Eisenach (im Westen) – Ilmenau – Saalfeld – Pößneck und Gera (im Osten) folgend sowie an der Südwestbegrenzung bei Ruhla am Rennsteig und Bad Salzungen.


Bild 3: Gips der Marienglashöhle


Siehe auch:
Höhlen in Deutschland - Saalfelder Feengrotten
In, auf und aus Gestein gebaut - Villa Knauer
Die Schneekopfkugeln vom Thüringer Wald

Quellen:
- Marienglashöhle - Besucherinformationen
- weitere Bilder der Marienglashöhle
Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach*
Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag*
Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München*
Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
www.mineralienatlas.de - Marienglas


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Letzte Aktualisierung: 9. Februar 2019

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