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In, auf und aus Gestein gebaut - Herkules Kassel



Herkules – ein Held der griechischen Mythologie, und namensgebende Figur für ein Monument im hessischen Kassel.

Herkules Kassel – Geschichte und Symbolik

Das Herkules-Denkmal in Kassel ist schon von weither zu sehen; nicht zuletzt aufgrund der Größe der Figur. 70,5 Meter misst die Statue, die Herkules darstellt, einschließlich des Gebäudes, auf dem sie steht.



Bild 1: Herkules Kassel - Schloss, Pyramide, Statue und Wasserfall


Das Herkules-Denkmal ist eine Konstruktion aus drei Teilen: das dreistöckige Schloss mit achteckigem Grundriss (sog. Oktagon) stellt das Fundament dar, dem eine Pyramide mit flacher Spitze aufgesetzt ist, auf welcher wiederum Herkules thront.
Auch wenn der Herkules-Komplex mitsamt der Parkanlage künstlicher Natur ist, wurde sich bei der Gestaltung daran gehalten, dem Ganzen Natürlichkeit zu verleihen, indem das Gebäude und die Statue aussehen, als würden sie auf einem Felsen stehen – und nicht platziert, erbaut oder arrangiert.
Unterstützt wird das Ensemble durch eine Wasseranlage mit Teichen, Wasserspielen und Wasserfällen, die über zahlreiche Stufen verlaufen und den Eindruck erwecken, ebenfalls natürlichen Ursprungs zu sein. Eigens für die Wasserversorgung wurde im Schloss ein Wasserreservoir errichtet, das ermöglicht, dass immer wieder Wasser kaskadenartig auf einer Länge von 250 Metern über die steinernen Wasserfalltreppen fließt und dabei eine Differenz von 80 Höhenmetern überwindet. Zum Vergleich: der höchste Wasserfall in Deutschland – der Triberger Wasserfall – bringt es auf eine Fallhöhe von 163 Meter. Die Breite des künstlichen Wasserfalls im Herkules Kassel beträgt neun Meter und wird beidseitig von begehbaren Treppenstufen begrenzt.
Der Herkules Kassel geht auf eine Idee von Giovanni Francesco Guernico (1665 bis 1745), seines Zeichens Architekt aus Italien, zurück. Guernico machte 1696 Bekanntschaft mit Landgraf Karl von Hessen-Kassel (1654 bis 1730). Auch wenn der hessische Landgraf ursprünglich andere Pläne für die Gestaltung des nach ihm benannten Karlsberges vorsah, fielen sie Entwürfe schlussendlich minimalistischer aus. Die Bauzeit war lang, doch am 30. November 1717 wurden nach 16 Jahren des Schaffens die Arbeiten am Herkules Kassel vollendet.



Bild 2: Vorder- und Rückansicht Herkules Kassel


Die Herkules-Sage

Inspiriert wurde Landgraf Karl von Hessen-Kassel während einer Italienreise, auf welcher er ein Abbild des Halbgottes der griechischen Mythologie sah.
Mit der Gestaltung des Standbildes Herkules in Kassel wurden einige Attribute vereinigt, die im Zusammenhang mit den zwölf Heldentaten der Herkules-Sage stehen.
Demzufolge stellte das Orakel von Delphi Herkules (alternativ auch Herakles genannt) zwölf Aufgaben – als Wiedergutmachung, weil Herkules im Jähzorn zwölf seiner Kinder umgebracht hatte.
Ein Symbol dieser Heldentaten ist das Fell des Nemeischen Löwen, das Herkules über die Schulter geworfen trägt. In einer seiner Prüfungen erwürgte Herkules des Löwen und das Löwenfell macht ihn seitdem unverwundbar. Außerdem stützt sich die Figur auf eine Keule, die ihm während seiner Heldentaten treue Dienste leistet. Wenn auch versteckt hinter dem Rücken, ist in den Händen von Herkules deutlich ein Apfel zu erkennen. Ein Apfel der Goldenen Äpfel der Hesperiden – die ewige Jugend versprachen und den Herkules pflücken konnten, obwohl die Zauberäpfel von Ladon, dem Drachen mit den 100 Köpfen, verteidigt wurden.



Bild 3: Detailaufnahme der Gesteine inkl. Einschlüsse von Mineralen und Gesteinen


Steine und Minerale des Herkules-Denkmals in Kassel

Das Material, aus dem die Statue besteht, ist Kupfer. Von der rotgoldenen Farbe, die für das Metall typisch ist, ist heute nicht mehr viel zu erkennen. Infolge von Umwelteinflüssen (z.B. Gase und Flüssigkeiten) bildete sich eine Patina aus Kupfercarbonaten und –hydroxiden, die den hessischen Herkules grünblau erscheinen lassen.
Allerdings wurde die drei Tonnen schwere nicht komplett aus purem Kupfer gefertigt. Vielmehr bildet ein Skelett die Körperform der 8,30 m hohen Figur, die mit Kupfer überzogen wurde.
Das Oktagon und die Kaskaden des in der Dunkelheit beleuchteten Wasserfalls bestehen aus Basalttuff aus dem nahe gelegenen Habichtswald. Ein nicht zu verachtender Standortvorteil, da das Gestein schnell zu erreichen war und aufgrund der Eigenschaften ohne viel Mühe abzubauen und zu bearbeiten war. Der Abbau von Basalttuff im Habichtswald hatte lange Tradition, wurde aber im Jahr 1941 eingestellt.
Die Basalttuffvorkommen in dieser Region Hessen liegen in der geologischen Vergangenheit begründet. Vor 14 bis sieben Millionen Jahren dominierten im Bereich des heutigen Kassels vulkanische Vorgänge, aus denen unter anderem das magmatische Gestein Basalttuff hervorging.
Die Farbe des Habichtswalder Basalttuffs ist hellbraun. Das auffälligsten Merkmal sind jedoch die 2 bis 64 mm großen, unregelmäßig geformten Einschlüsse im Gestein, die als Lapilli bezeichnet werden und sich durch andere Farben und auch Zusammensetzungen von der übrigen Gesteinsmatrix absetzen. Als Xenolithe, d.h. die Bruchstücke von anderen Gesteinen im Habichtswalder Basalttuff treten vor allem Tonsteine, Basalte und Sandsteine hervor.
Dadurch dass sich Basalttuff eigentlich durch eine hohe Porosität auszeichnet, die durch spätere Mineralbildungen ausgefüllt wurden, kann man außerdem eine Reihe weiterer Minerale im Basalttuff erkennen – allen voran Minerale vulkanischen Ursprungs wie Pyroxene, Olivin und Quarz.



Siehe auch:
In, auf und aus Gestein gebaut - Rakotzbrücke Kromlau
In, auf und aus Gestein gebaut - Villa Knauer/Schloss Gröbers
Steinerne Zeugen - Basaltwasserfall Svartifoss



Quellen:
- www.kassel.de
- www.wilhelmshoehe.de

Letzte Aktualisierung: 4. April 2018




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