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Erdbeben in der Schweiz



Dass es in Europa eine erdbebenaktive Zone gibt, verdeutlichen immer wieder Beben im südlichen Teil des Kontinents. Dennoch können Erdbeben auch weiter nördlich – wie in der Schweiz – auftreten.


Die Intensität der Schweizer Erdbeben

Verglichen mit den Erdbeben in der Türkei, Griechenland oder Italien sind Erdbeben in der Schweiz jedoch von geringerer Intensität; weisen aber höhere Werte auf der Richterskala auf als bspw. die Nachbarländer Frankreich und Deutschland.

Trotzdessen wird die Erdbebensituation in der Schweiz gleichstimmig vom Schweizer Erdbebendienst (www.seismo.ethz.ch) und der Schweizer Erdbebeninformationsseite „Bebende Schweiz“ (www.bebende.ch) als gering bis mittel bewertet.

Lediglich zehn Erdbeben sind jährlich von Menschen wahrnehmbar. Dem stehen tatsächlich aufgezeichnete 500 bis 800 Beben im Jahr gegenüber. Mit einer schadensreichen Gefahr ist etwa alle 100 Jahre zu rechnen, wobei von einer Magnitude von 6 und mehr ausgegangen wird. Noch seltener ist die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben mit einer Stärke von über 7 auf der Richterskala, die realistisch wären.

Die Auswertung von historischen Aufzeichnungen, Messungen und Zeitzeugenberichten zeigt, dass sich in der Schweiz Phasen geringer mit solchen hoher Erdbebenaktivität abwechselten. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehr Erdbeben in der Schweiz verzeichnet, die Klimax wurde in den Jahren von 1910 bis 1920 registriert. Anschließend war es verhältnismäßig ruhig im Untergrund der Schweiz, auch wenn seit Beginn der Aufzeichnungen durch den Schweizer Erdbebendienst 1975 bis 2001 6400 Erdbeben in der Schweiz dokumentiert wurden. Dass nicht alle Erdbeben in den tagesaktuellen Nachrichten erscheinen, hängt wesentlich von Stärke des Bebens und der einhergehenden Zerstörungskraft ab. Von den genannten 6400 Beben waren laut René Steiger nur fünf Prozent stark genug, um von Menschen direkt wahrgenommen werden zu können.

Stärke der Beben in der Schweiz

Das magnitudenstärkste Beben des vergangenen Vierteljahrhunderts in der Schweiz ereignete sich am 22. Februar 2003 rund 70 km von Basel entfernt. Das Epizentrum des Bebens lag im französischen Elsass. Im Vergleich dazu erschütterte das schwerste Erdbeben der Schweiz am 18. Oktober 1356 die Erde vermutlich mit einer Stärke von 6,7.

Das letzte schwere Erdbeben ereignete sich am Samstagabend des 11. Februars 2012.
Gegen 23.45 Uhr wurde vom Schweizerischen Erdbebendient eine Magnitude auf der Richterskala von 4,2 registriert.
Am heftigsten zu spüren war der Erdstoß in Zug. Aber auch weiter nördlich in Freiburg (Deutschland) wurde das Beben wahrgenommen, dessen Epientrum sich in 30 km Tiefe im Gebiet zwischen Zuger und Ägerisee befand.
Bereits am Nachmittag des selben Tages fand ein weiteres Erdbeben in der Schweiz statt. Ort des Geschehens waren Bereiche der Vizenter Alpen im Südwesten des Alpenstaates; die Richterskala dokumentierte einen Wert von 2,5 (Quelle: www.seismo.ethz.ch).

Der Schweizer Erdbebendienst

Erfasst werden die nationalen Bebenereignisse vom Schweizer Erdbebendienst der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich). Neben der Überwachung von Erschütterungen der Schweiz wird am Institut auch zentral die Erdbebengefährdung der Schweiz begutachtet. Um ein umfassendes Bild der aktuellen Bebensituation zu erhalten, werden entsprechende Daten rund um die Uhr erfasst – auch in Zusammenarbeit mit Informationen aus dem angrenzenden Ausland.

Historische Beben versus aktuelle Beben

Vergleiche von derzeitigen Beben mit historischen Erdbeben in der Schweiz werden – wie bereits weiter oben im Text erwähnt – anhand von Augenzeugenberichten und schriftlichen Überlieferungen rekonstruiert. Mit Hilfe einer Schadensskala werden die Ausmaße vergangener Beben quasi „übersetzt“ und auf einen Wert der Richterskala übertragen. Objektive Meßmethoden stehen in der Seismologie erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zur Verfügung.

Erdbebengefährdete Gebiete in der Schweiz

Trotz der hohen Zahl der jährlich auftretenden Erdbeben ist die Schweiz nicht in der Gesamtheit erdbebengefährdet. Auf dem Internet-Auftritt des Bundesamtes für Umwelt der Schweiz (BAFU) wird eine Karte mit vier Erdbebengefährdungszonen der Schweiz präsentiert (⇒ Karte).

Am wenigsten gefährdet ist demnach der Streifen der Kantone Waadt, Neuburg, Jura, nördlicher Teil des Kantons Bern, Nord-Luzern, Aargau, Zug, Zürich bis nach Schaffhausen, Thurgau und das nördliche St. Gallen. Weiterhin werden der Süden des Kantons Uri, der Osten von Graubünden sowie das Tessin als ungefährdet ausgewiesen.
Ein erhöhtes Risiko besteht in Basel-Landschaft und Teilen von Solothurn – ebenso wie in der Zentralschweiz mit den Kantonen Freiburg, Bern, Süd-Luzern, Nidwalden, Schwyz, Glarus, Süd-St. Gallen sowie im Appenzell.
Noch höher ist die Erdbebengefährdung für Basel-Stadt, Nord-Wallis und den Süden von Uri ausgeschrieben.
Sehr hoch ist die Gefährdung im Wallis.

Ursachen für die Schweizer Erdbeben

Ursache für die Erdbeben der Schweiz ist auch wie in Deutschland das Zusammenspiel von Afrikanischer und Eurasischer Platte.
Die Afrikanische Platte bewegt sich kontinuierlich auf die eurasische Platte zu; infolge der Kollision wird die Kontinentalmasse zusammengestaucht. Dabei kommt es zu Spannungen in der Erdkruste, denen abhängig von der Scherfestigkeit der Gesteine unterschiedlich standgehalten werden kann. Wird die Scherfestigkeit überschritten, bilden sich Schwächezonen in Form von Brüchen, die als Erdbeben wahrgenommen werden können – in Gegenden mit weicherem Untergrund (z.B. im Zuge von Besiedlungsaktivitäten trocken gelegte Bereichen) eher als in felsigen Regionen (Gneis, Granit, Kalkstein und Quarzit im Untergrund).

Angelehnt an die Häufigkeit der Erdbeben und die Stärke auf der Richterskala wurde für die Schweiz eine Erdbebengefährdungskarte erstellt (siehe Kantone oben). Hierbei fließen regional einzeln aufgeschlüsselte Parameter des geologischen Untergrunds, tektonische Beschaffenheit, Höhe des Grundwasserspiegels sowie die Topographie ein – wichtige Einflussgrößen insbesondere im Hinblick auf die Folgewirkungen eines Erdbebens wie Hangversatz, Steinlawinen und Überschwemmungen zum Beispiel.

Besonders wichtig ist die sogenannte Mikrozonierungskarte im Zusammenhang mit Bauaktivitäten (Norm SIA 261). Durch vorsorgende und dem Standort angepasste Bauweisen kann das Ausmaß der vernichtenden Wirkung von Erdbeben in der Schweiz eingeschränkt bzw. minimiert werden.

Einige Erdbeben in der Schweiz sind jedoch anthropogenen Ursprungs.

So wurden bspw. bei Bauarbeiten zum Gotthardtunnel Erdbeben verzeichnet. Zunächst kam es infolge von Sprengarbeiten des Gotthardbasistunnels von März 2004 bis Juni 2005 im Umkreis von Faido/Tessin zu vielen kleinen Beben, die sich bis zum August 2007 fortsetzten. Grund waren durch Sprengungen, Presslufthämmer oder Vibrationen sonstiger technischer Geräte hervorgerufene Spannungen im Gestein, die durch Beben abgebaut wurden.

Aber auch natürliche Ereignisse können Erschütterungen auslösen, wie im Fall des Erdbebens vom August 2005 in der zentralen Schweiz. Anhaltender Starregen bewirkte, dass innerhalb von einem halben Tag im Kanton Schwyz im Muotatal Boden- und Gesteinshohlräume durch einsickerndes Niederschlagswasser verfüllt wurden, so dass sich der Porenhohldruck erhöhte und die Scherfestigkeit der Gesteine im Untergrund verringert wurde. Dadurch kam es zu Brüchen entlang bereits bestehender Unstetigkeiten im Gestein.

Ein weiteres Erdbeben in Basel vom Dezember 2006/Januar 2007 wurde durch Bohrungsarbeiten und Wasser verursacht. Im Rahmen des Deep Heating Mining-Projekts wurden in der Region Basel Bohrungen durchgeführt mit dem Ziel, aus Erdwärme Energie zu gewinnen. Dafür wurden 12000 m3 Wasser unter hohem Druck in die Bohrlöcher geleitet, durch welche der Zusammenhalt unterirdischer Gesteinsmassen gestört wurde – die resultierenden Spannungen und Brüche im Gestein zeigten sich schließlich als Beben mit einer Stärke von 3,4 auf der Richterskala.


Siehe auch:
- Erdbeben in Deutschland
- Pazifischer Feuerring
- Alfred Wegener und seine Theorie zur Kontinentalverschiebung


Quellen:
www.seismo.ethz.ch - Schweizerischer Erdbebendienst
http://umweltzustand.admin.ch - BAFU
www.bgr.de - Erdbebenkatalog für die Länder der EU (Stand 1990), der Schweiz und Österreichs
www.sgeb.ch - Schweizer Gesellschaft für Erdbebeningenieurwesen und Baudynamik

Letzte Aktualisierung: 3. Januar 2018

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