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Travertin und Marmor unterscheiden



Marmor und Travertin sind zwei Gesteine, die auf den ersten Blick sehr ähnlich sind. Beide Gesteine sind gleichermaßen beliebte Natursteine, die als Material für Fassaden, Böden, Fliesen, Arbeitsplatten oder zur Dekoration Verwendung finden.

Marmor oder Travertin?


Marmor
Bild 1: weißer Marmor von der Insel Euboa/Griechenland


Gemeinsamkeiten von Marmor und Travertin

Farbe

Sowohl Marmor wie auch Travertin sind Vertreter der hellen Gesteine.
Die Farbe von Marmor und Travertin ist in der Reinform weiß. Beimengungen von unterschiedlichen Mineralien können den Gesteinen andere Farbtöne verleihen. Die am häufigsten vorkommende Farbe von Marmor und Travertin ist weiß, beige oder grau.
Travertin kann zudem von gelber und rotbrauner Farbe sein, während Marmor ebenfalls cremeweiß, grün, blau, violett, silber und schwarz sein kann. Die Ursache der verschiedenen Farben sind die im Gestein enthaltenen Mineralien.
So färben beispielsweise Tonminerale das Gestein grau. Eisenverbindungen wie Limonit kolorieren die Gesteine braun. Während rotbraune Farben auf das Mineral Hämatit zurückzuführen sind. Grüner Marmor wird infolge von Serpentin und Chlorit grün, violetter Marmor ist sichtbarer Ausdruck von manganhaltigen Mineralien, wohingegen silbriger Marmor mit Beimengungen der Glimmermineralien Muskovit und Phlogopit und schwarzer Marmor mit Markasit, Mangan und Graphit zu begründen ist.


Marmor
Bild 2: grauer Marmor von der Insel Euboa/Griechenland


Marmorierung

Das bekannteste Merkmal von Marmor ist die typische Marmorierung, die sich in Form von hellen und dunklen Streifen, filigranen Adern, Maserungen oder Flecken äußert. Der Grund für die Marmorierung sind die bereits erwähnten Mineralien im Gestein, die an bestimmten Stellen im Gestein konzentriert auftreten und nicht gleichmäßig im Gestein verteilt sind.
Dass Travertin bisweilen mit Marmor verwechselt wird, liegt an der Tatsache, dass Travertin ebenfalls marmorähnliche Zeichnungen aufweisen kann: hellere wie auch dunklere Äderungen und Bereiche durchziehen das Gestein.


Mineralbestand

Exkurs – Definition Gestein
Gesteine werden als feste Aggregate definiert, die aus verschiedenen Mineralien aufgebaut sind, d.h., ein Gestein besteht aus unterschiedlichen einzelnen Mineralien, die fest miteinander verbunden sind.
Die mineralische Zusammensetzung variiert von Gestein zu Gestein, wobei der Anteil der im Gestein vorkommenden Mineralien der Menge nach in Haupt- und Nebengementeil sowie Akzessorien unterteilt wird. Die Hauptgemengteile dominieren im Gestein, die Nebengemengteile betragen bis zu fünf Prozent an der gesamten mineralischen Zusammensetzung und die Akzessorien sind in „Spuren“ vorhanden.
Daneben werden Gesteine in mono- und polymineralische Gesteine unterschieden. Das Kennzeichen monomineralischer Gesteine ist das Vorherrschen einer – mono – Mineralart bei den Hauptgemengteilen. Für polymineralische Gesteine sind mehrere, verschiedene Mineralien als Hauptgemengteil typisch (z.B. Granit, Gneis).


Marmor und Travertin zählen zu den monomineralischen Gesteinen. Calcit ist das vorherrschende Mineral, wenngleich bei Travertin der Hauptgemengteil auch durch Aragonit oder Dolomit (Mineral) repräsentiert werden kann.
Die Nebengemengteile von Travertin bestehen aus Tonmineralien, Hämatit, Limonit und Quarz. Marmor weist daneben noch Chlorit, Epidot, Glimmer, Limonit, Granat, Pyrit, Quarz und Serpentin auf.


Härte

Beide Gesteine weisen eine Mohshärte von 3 auf.
In der Mineralogie wird mittels der Mohshärte die Härte von Mineralien und auch einigen Gesteinen angegeben. Demnach werden zehn Stufen unterschieden, wobei Mineralien der Härte 1 (z.B. Talk) sehr weich sind und Diamanten mit einer Mohshärte von 10 als das härteste Mineral der Welt gelten.
Mit einer Mohs´schen Härte von 3 werden Travertin und Marmor am Übergang von den weichen zu den mittelharten Gesteinen eingeordnet. Im Vergleich dazu gelten Granit, Gneis, Schiefer und Basalt als harte Gesteine.


Travertin
Bild 3: verschiedene Travertin-Gefüge; Travertin aus Bad Langensalza/Thüringen


Unterschiede von Marmor und Travertin

Glanz

Auch wenn Travertin und Marmor aufgrund der Farbe, Marmorierung und Härte das Potential zur Verwechslung bieten, ist das einfachste Merkmals zur Unterscheidung beider Gesteine der Glanz.
Schon der aus dem Altgriechischen stammende Name Marmor verdeutlicht die wesentliche Eigenschaft von Marmor. Marmaros wird mit glänzen oder schimmern übersetzt und bezieht sich auf den gesteinseigenen Glanz – hervorgerufen durch Glimmermineralien, die bei Travertin fehlen.
Der Glanz von Marmor ist auch bei unpolierten Steinen zu erkennen, wohingegen Travertin sowohl naturbelassen wie auch poliert von mattem Glanz ist.


Dichte

Mit einer Dicht von 2,65 bis 2,72 g/cm³ ist Travertin geringfügig leichter als Marmor mit 2,7 bis 2,9 g/cm³.


Gefüge

Das Gefüge von Gesteinen wird in der Geologie als die Anordnung der gesteinsbildenden Mineralien sowie deren Korngröße definiert.
Die Korngröße von Marmor wie auch Travertin variiert zwischen fein- und grobkörnig. Bei der Betrachtung von Marmor fällt auf, dass die Mineralien bzw. die mineralischen Körner kompakt und sehr dicht gelagert sind. Travertin hingegen weist ein gebändertes, poröses und stalaktitisches Gefüge auf. Die zahlreichen Hohlräume und Poren sind Zeugnis der Entstehung von Travertin, insofern die schwammartigen Poren von Travertin einst von Unterwasserpflanzen, Moosen und Algen gefüllt waren, die mit der Zeit zersetzten und Hohlräume hinterließen.


Entstehung

Der größte Unterschied zwischen Travertin und Marmor ist die Bildung.
Marmor ist ein Gestein metamorphen Ursprungs (Umwandlungsgestein), Travertin ist ein Sedimentgestein (Ablagerungsgestein).
Als Metamorphit geht Marmor aus der Umwandlung von carbonatreichen Gesteinen wie Kalkstein oder Dolomit (Gestein) hervor, die im Zuge der Regional- und/oder Kontaktmetamorphose hohen Temperatur- und Druckbedingungen ausgesetzt wurden. Die Temperaturen, die dabei herrschten, bewegten sich im Bereich zwischen 700 und 1100 °C, der Druck betrug bis zu 10 kbar. Infolge der Temperatur- und Druckbelastung wurden die zum Zeitpunkt der Metamorphose existenten Mineralien und Gesteine teilweise oder völlig aufgeschmolzen, durch die Zufuhr von mineralischen Lösungen durch aufsteigendes Magma während der Kontaktmetamorphose chemisch umgewandelt und rekristallisierten zu neuen Mineralien und Gesteinen.
Das Sedimentgestein Travertin ist das Produkt der chemischen Entkalkung. Travertin entsteht vor allem im Bereich um heiße und kalte Quellen. Tritt kaltes oder heißes Quellwasser an die Erdoberfläche, wird es von der Sonne erwärmt, der im Quellwasser gelöste Kalk fällt aus und reichert sich im Laufe von Jahrtausenden zu Travertin an. Daneben kann Travertin über den Weg der Kohlensäureverwitterung entstehen, indem saures Wasser Calcium als Kalklieferanten aus bspw. Kalkstein oder Marmor löst und sich als Ausfällung zu Travertin verfestigt.


 

Siehe auch:
Der Marmor von Carrara
Schwarzer Granit
Mineralische Kakteenerde


Quellen:
Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München
Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart*
Schumann, W. (1994): Steine und Mineralien sammeln; finden, präparieren, bestimmen. BLV Verlag München*

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Letzte Aktualisierung: 3. Juli 2018

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